Mannesmann-Prozess Kopper wird Zeuge der Verteidigung

Ein simpler zweiter Aufguss des ersten Verfahrens ist die Neuauflage des Mannesmann-Prozesses nicht. Ex-Vodafone-Chef Chris Gent etwa will diesmal von seinem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch machen. Und Deutschbanker Hilmar Kopper soll für Esser aussagen.


Düsseldorf - Daniel Krause, der neue Verteidiger des Ex-Mannesmann-Chefs Klaus Esser, verspricht sich von Koppers Aussage Entlastende Einblicke in das Vergütungssystem von Mannesmann. Kopper war bis 1999 mehrere Jahre lang Aufsichtsratsvorsitzender der des Röhren- und Telefonkonzerns.

Ex-Mannesmann-Chef Esser: Kopper soll entlastende Aussage machen
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Ex-Mannesmann-Chef Esser: Kopper soll entlastende Aussage machen

Anders als im ersten Mannesmann-Prozess will Gent diesmal nicht aussagen. Gent wolle von seinem Auskunftsverweigerungsrecht Gebrauch machen, sagte der Vorsitzende Richter Stefan Drees am heutigen dritten Verhandlungstag. Die Aussage von Gent war für den 10. Januar vorgesehen.

Der frühere Mannesmann- Konzernbetriebsratsvorsitzende Jürgen Ladberg betonte anschließend in seiner Erklärung, er habe als Arbeitnehmervertreter Bedenken gegen die Prämien gehabt. So sei der hohe persönliche Einsatz von Esser im Zuge der Übernahmeauseinandersetzung mit Vodafone dessen Job gewesen.

Auch die Prämie an den früheren Vorstandsvorsitzenden Joachim Funk habe er nicht nachvollziehen können. Viele Menschen hätten am Erfolg von Mannesmann mitgearbeitet, es hätten nicht nur einige bevorzugt werden sollen. Er, Ladberg, habe seine Ablehnung der Prämien durch sein Verhalten frühzeitig deutlich gemacht.

Anschließend begann der Esser-Verteidiger Daniel Krause, Beweisanträge zu stellen. Sie zielen unter anderem darauf ab, zu beweisen, dass der Dienstvertrag von Klaus Esser eine Grundlage für dessen nachträgliche Erfolgsprämie war und dass derartige Prämien für besondere Leistungen zudem schon vor den fraglichen Zahlungen "langjährige Praxis" bei Mannesmann waren.

Die Staatsanwaltschaft wirft sechs früheren Verantwortlichen - darunter Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, der frühere Mannesmann-Vorstandsvorsitzende Klaus Esser sowie Ex-IG-Metall-Chef Klaus Zwickel - auch im zweiten Prozess Untreue beziehungsweise Beihilfe vor. Im Zuge der Übernahme von Mannesmann durch den britischen Mobilfunkriesen Vodafone im Jahr 2000 waren rund 57 Millionen Euro an Manager des Düsseldorfer Traditionskonzerns geflossen.

Die Neuauflage des Verfahrens war nötig geworden, nachdem der Bundesgerichtshof im Dezember erste Freisprüche von 2004 aufgehoben hatte. Dessen Richter hatten festgestellt, dass die umstrittenen Zahlungen nicht im Unternehmensinteresse lagen und es sich deshalb objektiv wohl auch um Untreue gehandelt habe. Die Beschuldigten hätten zudem kaum ohne jedes Unrechtsbewusstsein gehandelt.

Am Vortag hatte der Chef der Deutschen Bank seine Zustimmung zu den Millionen-Zahlungen vor sechs Jahren noch mal verteidigt.

Zugleich versuchte Ackermann, den Vorwurf zu entkräften, die Gelder seien ohne Nutzen für Mannesmann gewesen. Mit den Prämien seien nicht nur Leistungen des Spitzenmanagements honoriert worden, auch hätten sie einer reibungsloseren Integration von Mannesmann in den Vodafone-Konzern dienen sollen. Es sei damals nicht selbstverständlich gewesen, dass wichtige Führungskräfte an Bord blieben.

Der ehemalige Mannesmann-Chef Klaus Esser, der alleine eine Sonderprämie von rund 15 Millionen Euro eingestrichen hatte, beteuerte ebenso seine Unschuld und forderte das Gericht auf, ihn freizusprechen.

mik/Dow Jones/Reuters



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