Mannesmann-Prozess Korruptionsexperte gegen Einstellung des Verfahrens

Der spektakulärste Wirtschaftsprozess der deutschen Nachkriegsgeschichte steht vor dem Ende - ohne Urteil: Das Gericht wird heute Experten zufolge einer Einstellung des Verfahrens gegen Geldauflagen in Millionenhöhe zustimmen. Schon vor der Entscheidung ist die Kritik groß.


Frankfurt/Main - Der Frankfurter Strafverfolger Wolfgang Schaupensteiner bedauert die wahrscheinliche Einstellung des Mannesmann-Prozesses: Als Jurist hätte er eine endgültige Klärung erwartet, ob es sich bei den Millionenzahlungen an Manager um Untreue gehandelt habe, sagte der Korruptionsermittler. "Von daher wäre ich dankbar gewesen, wenn das eben durch die Instanzen durchdekliniert worden wäre."

Angeklagter Ackermann: Wäre bei Einstellung des Verfahrens nicht vorbestraft
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Angeklagter Ackermann: Wäre bei Einstellung des Verfahrens nicht vorbestraft

Heute morgen wird das Landgericht Düsseldorf über die Einstellung des Verfahrens entscheiden. Es gilt als sehr wahrscheinlich, dass die 10. Große Wirtschaftskammer dem Deal zustimmt, auf den sich die Staatsanwaltschaft und die Verteidiger letzte Woche geeinigt haben. Dann würde das Verfahren gegen Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann und fünf weitere Angeklagte gegen Geldauflagen in Millionenhöhe einstellt. 5,8 Millionen Euro sollen die Angeklagten insgesamt zahlen - 3,2 Millionen übernähme Ackermann, 1,5 Millionen Euro Ex-Mannesmannchef Klaus Esser. Im Gegenzug wären sie nicht vorbestraft.

Die Staatsanwaltschaft wirft den Angeklagten eigentlich vor, die Milliarden-Übernahme von Mannesmann durch Vodafone im Jahr 2000 genutzt zu haben, um Managern und ehemaligen Vorstandsmitgliedern ungerechtfertigte Zahlungen in Höhe von fast 60 Millionen Euro zuzuschanzen. In einem ersten Prozess hatte es einen Freispruch gegeben.

Den hob der Bundesgerichtshof allerdings auf - mit ungewohnt klaren Worten: Die Freisprüche seien fehlerhaft, die Beweiswürdigung voller Lücken. Bei den Angeklagten Ackermann, Joachim Funk und Klaus Zwickel sah das Gericht gar "den Tatbestand der Untreue verwirklicht". Schaupensteiner zufolge war es auch für Juristen neu, dass der Bundesgerichtshof die Millionenzahlungen als Untreue gesehen habe.

ase/AP



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