Mannesmann-Prozess Sachbearbeiterin äußerte frühzeitig Bedenken gegen Millionen-Prämien

Eine Ex-Mitarbeiterin von Mannesmann erklärte heute vor dem Landgericht Düsseldorf, dass es wegen der umstrittenen Millionen-Prämien schon frühzeitig Bedenken gab. Ein anderer Buchhalter sagte, die Prämien seien in der Belegschaft heftig diskutiert worden.


Düsseldorf - Die ehemalige Sachbearbeiterin Helga Anne Schoeller sagte, dass sie gleich nach dem am 4. Februar 2000 gefassten Beschluss des Aufsichtsratspräsidiums zu den Zahlungen umfassende und formelle Bedenken geäußert habe. Die Frau trat heute als Zeugin im Prozess vor dem Düsseldorfer Landgericht auf.

Mitangeklager Ackermann: Mannesmann-Übernahme für unrechtmäßige Prämien genutzt?
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Mitangeklager Ackermann: Mannesmann-Übernahme für unrechtmäßige Prämien genutzt?

Das Sitzungsprotokoll, in dem Zahlungen an den damaligen Aufsichtsratschef Joachim Funk angewiesen worden waren, sei von Funk selbst unterzeichnet worden. "Ich habe gleich gesagt, dass ich das ungewöhnlich und nicht richtig finde", sagte Helga Anna Schoeller, die damals in der für Vorstandsgehälter zuständigen Direktionsabteilung von Mannesmann tätig war.

Die 69-Jährige sagte, sie habe sich deshalb an den Leiter der Personalabteilung, den mitangeklagten Dieter Droste, sowie an den KPMG-Wirtschaftsprüfer Günter Nunnenkamp gewandt, zu dem sie großes Vertrauen gehabt habe. Nunnenkamp habe ihr sinngemäß gesagt, dass das so nicht gehe und er sich der Sache annehmen werde. Danach habe sie nicht mehr weiter gefragt und die Prämien schließlich für die Überweisung fertig bearbeitet.

"Größenordnung war exorbitant"

Am sechsten Verhandlungstag war auch Herbert Pelzer als Zeuge geladen, der damals für interne Gehaltsabrechnungen zuständig war. Er könne sich an viele Details der Vorgänge nicht erinnern, sagte Pelzer, der wie Schoeller bereits im ersten Prozess vor zwei Jahren ausgesagt hatte. Die Prämienzahlungen seien in der Mannesmann-Belegschaft wochenlang heftig diskutiert worden. "Die Größenordnung war ja exorbitant", sagte Pelzer.

Die Prämienzahlungen stehen im Mittelpunkt der Neuauflage des spektakulären Prozesses, der vor allem für die berufliche Zukunft von Deutschen-Bank Chart zeigen-Chef Josef Ackermann von größter Bedeutung ist. Neben ihm müssen sich vor Gericht auch Ex-Mannesmann-Chef Klaus Esser und der ehemalige IG-Metall-Vorsitzende Klaus Zwickel sowie drei weitere Manager wegen des Vorwurfs der Untreue oder der Beihilfe dazu verantworten.

Ihnen wird vorgeworfen, die Übernahme von Mannesmann durch den Konkurrenten Vodafone Chart zeigen im Jahr 2000 dazu genutzt zu haben, Managern und Pensionären des Düsseldorfer Konzerns unrechtmäßig Prämien von rund 57 Millionen Euro zuzusprechen. Der Bundesgerichtshof hatte die im ersten Prozess ergangenen Freisprüche 2005 mit der Begründung aufgehoben, die Zahlungen seien für Mannesmann "ohne jeden Nutzen" gewesen.

tim/Reuters



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