Mannesmann-Prozess Zeuge belastet Ackermann schwer

Im Mannesmann-Prozess hat ein ehemaliger Justiziar des Konzerns der Aussage von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann in einem zentralen Punkt widersprochen. Er bezeichnete die Bonus-Zahlungen an ehemalige Führungskräfte als reine Belohnung für deren frühere Leistungen.


Düsseldorf - Der ehemalige Leiter der Abteilung Beteiligungen von Mannesmann, Götz Müller, sagte heute bei der Neuauflage des Prozesses vor dem Düsseldorfer Landgericht als erster Zeuge, die Prämien seien "ausschließlich eine Anerkennung für die geschehenen oder geleisteten Dienste" gewesen.

Angeklagter Ackermann: Frühzeitig Bedenken gegen die hohen Zahlungen
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Angeklagter Ackermann: Frühzeitig Bedenken gegen die hohen Zahlungen

Müller sagte, bei Mannesmann habe es frühzeitig Bedenken gegen die Höhe der Zahlungen gegeben. Er persönlich habe die Summe von rund 15 Millionen Euro für den damaligen Konzernchef Klaus Esser als "enorm hoch" empfunden. "Ich hatte nicht das Gefühl, dass angesichts des Zusammenbruchs der Mannesmann AG eine solche Prämie nötig war", sagte der 66-Jährige. Auch der Belegschaft sei diese Anerkennungsprämie "nicht zu vermitteln" gewesen. Ebenso hätten die Wirtschaftsprüfer der KPMG, die die Mannesmann-Bücher unter die Lupe nahmen, anfänglich "erhebliche Bedenken" gegen die Prämien vorgebracht.

Der Aussage Müllers könnte noch große Bedeutung zukommen. Denn mit einem ähnlichen Argument hatte der Bundesgerichtshof die Freisprüche für die sechs Angeklagten - unter ihnen Ackermann - vor einem Jahr aufgehoben. Die an scheidende Manager geflossenen 57 Millionen Euro seien für Mannesmann "ohne jeden Nutzen" gewesen, hieß es in der Urteilsbegründung der Bundesrichter. Davon seien keine Anreize für künftige Leistungen ausgegangen. Sonderzahlungen, die nur belohnenden Charakter hätten, seien als unzulässig und "Verschwendung des anvertrauten Gesellschaftsvermögens" zu werten.

Dagegen hatte Ackermann argumentiert, das Geld habe teilweise sehr wohl dazu gedient, Mannesmann nach der Übernahmeschlacht reibungsloser in Vodafone zu integrieren und wichtige Führungskräfte an Bord zu halten.

Mit Müllers Aussagen begannen die Zeugenvernehmungen in dem spektakulären Wirtschaftsprozess, der sich nach den Planungen des Gerichts bis ins kommende Jahr hinein ziehen wird. Neben Ackermann sind auch Esser, der ehemalige IG-Metall-Chef Klaus Zwickel und drei weitere frühere Manager und Aufsichtsräte der Untreue oder der Beihilfe dazu angeklagt.

Neben Müller wurde auch Oberstaatsanwalt Hans-Otto Sallmann vernommen, der die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens nach einer ersten Anzeige gegen Esser im März 2000 zunächst abgelehnt hatte. Sallmann sagte, er habe vermutet, dass die Anzeige von "lästigen Kleinaktionären" stamme, und die Prämie angesichts der enormen Wertsteigerungen für angemessen gehalten. Zudem habe er den Aussagen von Mannesmann-Vertretern geglaubt, dass bei der Bewilligung alles mit rechten Dingen zugegangen sei. Dokumente zu den Aufsichtsratsbeschlüssen habe er nicht angefordert.

Im Dezember 2000 hatte die Staatsanwaltschaft dann doch noch Ermittlungen aufgenommen, die schließlich zum Mannesmann-Prozess führten.

mik/Reuters



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