Mannesmann-Prozess Zeugen fühlten sich von Staatsanwalt bedroht

Die ehemalige Sekretärin des Mannesmann-Chefs Esser hat heute vor Gericht ihre ursprüngliche Aussage korrigiert und zugegeben, dass sie doch mit der Vergabe der Prämien befasst war. Mit ihrer Erklärung löste die Frau einen Eklat aus.

Düsseldorf - Entgegen einer früheren Aussage gab die 59-Jährige heute zu, die Passage mit der umstrittenen Prämie für den damaligen Mannesmann-Aufsichtsratschef Joachim Funk auf dessen Bitte in eine Beschlussvorlage eingefügt zu haben. Daraufhin unterbrach sie der Staatsanwalt schon nach wenigen Worten und warf der Zeugin Falschaussage vor.

Gegen seinen Antrag, den Wortlaut der Aussage wegen seines Verdachts zu protokollieren, protestierte die Verteidigung. Sie beschuldigte den Staatsanwalt, die Zeugin einschüchtern zu wollen. Das Gericht lehnte den Antrag schließlich ab.

Die Sektretärin und eine weitere Kollegin wurden vernommen, weil sich das Gericht genau über die Entstehung der Beschlussvorlage informieren wollte.

Ihre ursprüngliche Aussage, sie habe sich mit den Zahlungen nicht befasst, begründete sie mit Stress. Die Staatsanwaltschaft habe sie im Juli 2001 in ihrem Büro bei Vodafone angerufen und unverzüglich zu einer Vernehmung vorgeladen. Als sie um eine Verschiebung gebeten habe, sei ihr mit einer Zwangsvorladung gedroht worden. "Das hat mich damals schon eingeschüchtert", sagte die Frau. Danach habe ihr der Staatsanwalt gesagt, zwei LKA-Beamte seien bereits unterwegs, um sie abzuholen. Sie habe noch gefragt: "Heißt das, dass ich jetzt in Handschellen vorgeführt werde?", erinnerte sich die Zeugin. An weitere Details der Prämienvergabe konnte sich die Sekretärin jedoch nicht erinnern.

Auch zweite Zeugin erinnert sich nicht

Essers zweite Sekretärin, die noch immer für den Manager arbeitet, erinnerte sich lediglich daran, nach dem Diktat Essers die Beschlussvorlage für das Aufsichtsratspräsidium geschrieben zu haben. Die 44-Jährige räumte ein, wiederholt mit Esser über das Verfahren gesprochen zu haben. "Wir arbeiten zwölf Stunden am Tag zusammen und haben die Ermittlungsakten im Büro. Wir sprechen oft über das Thema", sagte sie. Doch habe sie mit ihrem Arbeitgeber nicht über ihre Zeugenaussage geredet. "Er darf das nicht. Ich darf das nicht. Darum tun wir das nicht", sagte die Sekretärin.

Auch sie beschwerte sich über Grobheiten des Staatsanwalts. Er habe sie schon am Morgen der Vernehmung am Telefon angeherrscht.

Esser muss sich vor dem Düsseldorfer Landgericht zusammen mit dem Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, dem früheren Mannesmann-Aufsichtsratschef Funk, Ex-IG-Metall-Chef Klaus Zwickel und zwei weiteren Managern wegen des Vorwurfs der "gemeinschaftlichen Untreue in einem besonders schweren Fall" beziehungsweise Beihilfe dazu verantworten. Sie sollen die 180 Milliarden Euro teure Übernahme von Mannesmann durch den Mobilfunkriesen Vodafone Anfang 2000 benutzt haben, um Managern und Ex-Vorständen des Unternehmens ungerechtfertigte Abfindungen in Höhe von fast 60 Millionen Euro zuzuschieben.

Der Prozess soll morgen mit der Zeugenvernehmung von Julian Horn-Smith fortgesetzt werden. Er war während der Übernahmeschlacht zwischen Mannesmann und Vodafone die rechte Hand von Vodafone-Chef Chris Gent.

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