Mannesmann-Prozess Zoo bittet um Ackermann-Millionen

Rund 5,8 Millionen sollen die Angeklagten im Mannesmann-Prozess für die Einstellung des Verfahrens zahlen - 40 Prozent sollen an gemeinnützige Einrichtungen gehen. Zoos, Museen und freiwillige Feuerwehren sehen ihre Chance: Und bombardieren das Düsseldorfer Landgericht mit Bewerbungen.


Düsseldorf - "Die Anfragen kommen per Mail, Fax, Brief oder telefonisch", sagte Landgerichts-Sprecher Ulrich Thole, "es sind Bewerbungen aus der gesamten Bundesrepublik." So habe ein Fußballverein um einen neuen Satz Trikots für die Jugendabteilung gebeten, eine Frau habe angefragt, ob sie nicht "ein paar hunderttausend Euro" haben könne. Auch die Bittschreiben eines Zoos, mehrerer Museen, freiwilliger Feuerwehren, von Sportklubs, Schulfördervereinen oder botanischer Gärten seien eingegangen. Insgesamt lägen schon über 150 Bewerbungen für die Millionen vor, die die Angeklagten des Mannesmann-Prozesses für die Einstellung des Verfahrens zahlen müssen.

Freiwilliger Feuerwehrmann bei der Arbeit: Frau wollte "ein paar hunderttausend Euro"
DDP

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Der Andrang verwundert kaum: Nur 60 Prozent der Geldauflagen gehen an die Staatskasse. Der Rest soll wohltätigen Einrichtungen zugute kommen - insgesamt rund 2,32 Millionen Euro. Das sei die größte Summe in der Geschichte des Düsseldorfer Landgerichts, die das Haus jemals zu verteilen hatte. Auch überregional sei diese Summe "herausragend", erklärte der Sprecher stolz.

Anfang 2007 soll über die Verteilung des Geldes entschieden werden. Ein Mitspracherecht haben die Angeklagten nicht. "Das Gericht wird alle Bewerbungen prüfen und dann entscheiden, wer wie viel Geld bekommt", so Thole.

Das Landgericht hatte gestern einem Antrag des Anwalts von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann stattgegeben und das Mannesmann-Verfahren mit Einverständnis der anderen Verteidiger und der Staatsanwaltschaft eingestellt. Im Gegenzug müssen die Angeklagten insgesamt 5,8 Millionen Euro an Geldauflagen zahlen, Ackermann trägt davon allein 3,2 Millionen Euro. In dem Verfahren war die Rechtmäßigkeit von Prämien und Pensionen in Höhe von fast 60 Millionen Euro überprüft worden, die nach der Milliarden-Übernahme von Mannesmann durch den britischen Mobilfunker Vodafone im Jahr 2000 an ehemalige Mannesmann-Manager gezahlt worden waren.

ase/ddp



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