Marktöffnung dm steigt ins Medikamentengeschäft ein

Jahrelang tobte der Rechtsstreit, jetzt haben sich die Drogerien durchgesetzt. Als erster Anbieter wird die Drogeriekette dm in großem Umfang Medikamente verkaufen - und diese bis zu 40 Prozent billiger anbieten. Apotheker sind wenig begeistert.


Düsseldorf/Karlsruhe - Zunächst werde es nur in 80 Filialen in Nordrhein-Westfalen apothekenpflichtige Medikamente geben, teilte der bundesweit zweitgrößte Drogeriebetreiber mit Sitz in Karlsruhe heute mit. Der Service ist eine Kooperation mit einer niederländischen Versandapotheke in Venlo.

Medikamente in einem Apothekenschrank: Angebot der Drogeriemärkte für chronisch Kranke interessant
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Medikamente in einem Apothekenschrank: Angebot der Drogeriemärkte für chronisch Kranke interessant

Ein Test in acht Filialen im Rheinland sei erfolgreich gewesen, das Angebot solle nun nach und nach bundesweit ausgedehnt werden. Möglich wurde die Medikamentenabgabe durch ein Urteil des Oberverwaltungsgerichts (OVG) Münster. Das Vertriebskonzept verstoße weder gegen das Arzneimittel- noch gegen das Apothekenrecht, hatte das Gericht im vergangenen November befunden und keine Revision zugelassen. Die Apothekerorganisationen hatten bestürzt auf das Urteil reagiert.

"Bei der Zusammenarbeit mit der Europa Apotheek Venlo erbringt dm eine logistische Dienstleistung", sagte dm-Geschäftsführerin Petra Schäfer. Bei nicht rezeptpflichtigen Produkten sei eine Kostenersparnis von bis zu 40 Prozent möglich. Bei rezeptpflichtigen Medikamenten garantiere die Versandapotheke einen Bonus von mindestens 2,50 Euro und maximal 15 Euro pro Präparat. Die Patienten müssen allerdings bis zu drei Tage auf ihre Medikamente warten. Der Bestell- und Abholservice richtet sich vor allem an chronisch kranke Menschen, die ihren Medikamentenbedarf absehen können.

Für die Verkaufsberatung besitzen die herkömmlichen Apotheken weiterhin das Monopol. Die Arzneimittel können in den dm-Märkten auch nicht an der Kasse bezahlt werden. Die Bezahlung erfolgt per Überweisung oder Bankeinzug.

Die Drogeriemarktkette hatte im Juni 2004 damit begonnen, in acht Testfilialen in Düsseldorf, Krefeld, Mönchengladbach und Viersen den Bestell- und Abholservice anzubieten. Die Stadt Düsseldorf hatte dies zunächst verboten, weil sie darin einen Verstoß gegen das Arzneimittelrecht sah. Das Verbot war dann durch das OVG-Urteil aufgehoben worden.
Die bundesweit 900 dm-Drogerien erwirtschafteten nach Unternehmensangaben mit mehr als 16.000 Mitarbeitern im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2006/07 einen Umsatz von 1,47 Milliarden Euro.

sam/dpa



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