Marode Geldhäuser Wrackt die Landesbanken ab!

Wer braucht eigentlich die Landesbanken? Die Frage ist rein rhetorisch - ihren Sinn haben diese Institute schon lang verloren. Die spannendere Frage ist: Warum gibt es die Landesbanken überhaupt noch?

Ein Kommentar von Armin Mahler


Hamburg - Früher einmal vergrößerten sie die Macht der Länderfürsten: Die Ministerpräsidenten konnten mit Hilfe ihrer staatseigenen Banken regionale Unternehmen mit billigem Geld versorgen und verdienten Parteifreunden hochdotierte Jobs zuschanzen. Lange Zeit schienen die Gewinne garantiert. Denn die Landesbanken konnten sich Geld billiger als andere Kreditinstitute leihen, weil der Staat für sie haftete.

Hauptgebäude der HSH Nordbank: Politik hat Chance vertan
DDP

Hauptgebäude der HSH Nordbank: Politik hat Chance vertan

Als die EU diesem Treiben ein Ende bereitete und die sogenannte Gewährträgerhaftung Mitte 2005 abschaffte, wäre eine gute Gelegenheit gewesen, die Landesbanken abzuschaffen.

Die Politiker nutzten die Chance nicht.

Der Autor
DER SPIEGEL
Armin Mahler leitet seit 1991 das Ressort Wirtschaft des SPIEGEL. Der Diplom-Kaufmann arbeitete bei der Wirtschaftswoche und dem manager magazin, bevor er zum SPIEGEL kam.
Stattdessen borgten sich die Landesbanken mit Billigung ihrer Eigentümer kurz vor Toresschluss noch gewaltige Mengen billigen Geldes. Damit mischten sie überall auf der Welt mit, wo es vermeintlich viel zu verdienen, für Landesbanken aber eigentlich nichts zu suchen gab. Und deshalb waren und sind sie in der Finanzkrise überall an vorderster Front dabei, wo es viel zu verlieren gibt: bei amerikanischen Ramschhypotheken, bei Lehman-Zertifikaten und bei Island-Anleihen.

In guten Zeiten brachten ihre Zockergeschäfte ihren Eigentümern schöne Dividenden ein - jetzt drohen ihre Verluste ganze Landeshaushalte zu sprengen. Wenn die Anleihen aus den Zeiten der Gewährträgerhaftung fällig werden und die Krise an den Finanzmärkten dann nicht vorbei ist, droht nicht nur Schleswig-Holstein die Pleite.

Aber warum pumpen ohnehin finanzschwache Staaten wie Schleswig-Holstein und Hamburg dann weiterhin Milliarden in ihre Landesbank HSH Nordbank? Warum wursteln die ebenfalls angeschlagene BayernLB und die baden-württembergische LBBW ebenfalls weiter vor sich hin und verbrennen das Geld der Steuerzahler?

Weil es viel Mut erfordert, zu tun, was nötig wäre: die Landesbanken abzuwracken. Vor die Wähler und Steuerzahler zu treten und zuzugeben, dass das ganze System keinen Sinn mehr hat. Und offen zu bekennen, wie groß der Schaden ist.

Allerdings: Die Milliardenrisiken wären damit nicht aus der Welt, sie würden die Bundesländer weiter bedrohen. Aber wenigstens würde nicht neues Geld verbrannt, um die Zombie-Banken weiter künstlich am Leben zu erhalten.

insgesamt 93 Beiträge
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Seite 1
Baikal 25.02.2009
1. Öffentliche Korruption
Zitat von sysopWer braucht eigentlich die Landesbanken? Die Frage ist rein rhetorisch - ihren Sinn haben diese Institute schon lang verloren. Die spannendere Frage ist: Warum gibt es die Landesbanken überhaupt noch? http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,609920,00.html
Schauen Sie sich die Aufsichts- und Beiräte, die Vorstandsposten und auch die Ebene darunter an - dann wissen Sie genau, wo die Parteien ihre öffentliche Korruption ausleben. Deswegen. Und - denken Sie daran, daß ein Mensch wie Biedenkopf, einst spiritus rector der berühmten, in aller Welt tätigen und in aller Welt auf die Schnauze gefallenen Sächsischen Landesbank derzeit im Soffin als Ländervertreter agieren darf. Bestimmt nicht umsonst, das verbietet der Komment dieser Leute.
wasissn, 25.02.2009
2. Für seriöse Zwecke braucht man sie nicht.
Zitat von sysopWer braucht eigentlich die Landesbanken? Die Frage ist rein rhetorisch - ihren Sinn haben diese Institute schon lang verloren. Die spannendere Frage ist: Warum gibt es die Landesbanken überhaupt noch? http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,609920,00.html
Ausgediente Politiker z.B. und die Gewinner, die auf der anderen Seite der Verluste der Landesbanken stehen. Für seriöse Zwecke braucht man sie nicht, bzw. kann man sie nicht gebrauchen - q.e.d. dto.
stino56 25.02.2009
3. auch die landesfürsten abwracken
es haben ja nicht nur die landesbanken versagt, auch die landesfürstlichen kontrollinstanzen haben da ja wohl mit allerhöchster deckung, ihren job nicht gemacht. bei dieser gelegenheit sollten auch alle 15 gegenregierungen, mit ihren stäben und so wichtigen weiteren zuständigkeiten wie ladenschlussgesetze, rechtschreibung, farbe von polizeiuniformen, vw-werke, schulreformen ..., endlich wie überflüssiger, bremsender ballast abgeworfen werden. gruss stino
orion4713 25.02.2009
4. Natürlich braucht man sie!
Zitat von sysopWer braucht eigentlich die Landesbanken? Die Frage ist rein rhetorisch - ihren Sinn haben diese Institute schon lang verloren. Die spannendere Frage ist: Warum gibt es die Landesbanken überhaupt noch? http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,609920,00.html
Wenn man schon mangels Mitwissen und politischen Einflußmöglichkeiten nicht einen gut bezahlten Vorstandsposten in der Industrie bekommen kann, dann braucht man die Landesbanken zur Versorgung. Sollen denn unsere Minister und Staatssekretäre im Alter darben?
purawida 25.02.2009
5. in der hand der volksparteien
und somit nicht reformierbar. man braucht sie als sargnägel der demokratischen ordnung und des grundgesezes...nach der währungsreform gibt's da neues geld, 50 waigel pro kopf in bayern, in hessen sind's 50 köche, die kleinste einheit heißt köhler...
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