Marode US-Autobauer Chrysler engagiert Insolvenzberater

Der Autokonzern Chrysler bereitet sich auf den Ernstfall vor: Noch verhandelt das angeschlagene Unternehmen mit der US-Regierung über milliardenschwere Hilfen. Doch vorsorglich hat Chrysler schon einmal Insolvenzberater eingestellt.


Washington - Die US-Anwaltskanzlei Jones Day soll den angeschlagenen Autobauer Chrysler auf die Insolvenz vorbereiten, berichtet das "Wall Street Journal". Dem Blatt zufolge engagierte Chrysler die Kanzlei bereits vor einigen Wochen. Der Autobauer, der mehrheitlich dem Finanzinvestor Cerberus gehört, braucht nach eigenen Angaben dringend sieben Milliarden Dollar.

Chrysler-Zentrale: Der Konzern braucht sieben Milliarden Dollar
REUTERS

Chrysler-Zentrale: Der Konzern braucht sieben Milliarden Dollar

Die drei großen US-Autobauer General Motors (GM) Chart zeigen, Chrysler und Ford Chart zeigen kämpfen derzeit um ihr Überleben. Die Chefs der drei Unternehmen baten deshalb am Freitag im Kongress erneut eindringlich um milliardenschwere Finanzhilfen. In ihrem Werben um Unterstützung stellten GM und Chrysler in Washington sogar eine Fusion in Aussicht, wenn dies zur Bedingung gemacht werden sollte. Aber trotz ihrer Appelle, Angebote und der Vorstellung detaillierter Sanierungspläne blieb zunächst weiter sehr fraglich, ob es zu einer staatlichen Rettungsaktion kommt.

Insgesamt bitten die Konzerne um 34 Milliarden Dollar. Die US-Autobauer brauchen einen Teil der Mittel noch vor Weihnachten, um Hunderttausende Arbeitsplätze in dieser Schlüsselindustrie vorerst zu retten. Der größte US-Autobauer GM ersucht den US-Kongress insgesamt um neue Kredite von bis zu 18 Milliarden Dollar bis Ende 2009, vier Milliarden davon will die Opel-Mutter noch im Dezember haben. Ford braucht bis zu neun Milliarden Dollar, hofft aber, auf das Geld nicht unbedingt zugreifen zu müssen. Chrysler will die angefragten sieben Milliarden Dollar bis Jahresende.

Nach einer fast sechsstündigen Anhörung am Donnerstag vor dem Bankenausschuss des Senats traten die Vorstandsvorsitzenden Rick Wagoner, Robert Nardelli und Alan Mulally am Freitag vor dem Finanzkomitee des Abgeordnetenhauses auf. Im Senat sagte Nardelli am Donnerstag, er akzeptiere einen Zusammenschluss mit dem Konkurrenten GM, wenn so sein 80 Jahre altes Unternehmen gerettet werden könne. Wagoner sagte zu, einen solchen Schritt "sehr ernsthaft in Erwägung" zu ziehen.

In das Tauziehen um ein Darlehen auf Kosten der Steuerzahler schaltete sich am Freitag auch Noch-Präsident George W. Bush ein. Er räumte ein, dass die US-Wirtschaft in einer Rezession steckt und rief den Kongress dazu auf, in der kommenden Woche zu handeln, um drohende Pleiten in der Autoindustrie abzuwenden.

Bush beharrte aber weiterhin darauf, dass zur Rettung bereits gewährte 25 Milliarden Dollar verwendet werden, die eigentlich zur Förderung spritsparender Autos eingesetzt werden sollten. Das lehnen aber die meisten Demokraten ab. Sie wollen stattdessen, dass Geld aus dem 700-Milliarden-Dollar-Fonds zur Rettung der Finanzbranche genommen wird, wogegen sich wiederum das Weiße Haus sperrt. In einem Brief an Bush bekräftigten die demokratischen Spitzen im Senat und Abgeordnetenhaus, Harry Reid und Nancy Pelosi, ihre Forderung.

cvk/dpa-AFX/AP



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