Martin Blessing Banker-Spross mit Freundschaftsbändchen

Großvater Karl war Präsident der Bundesbank, Vater Werner Vorstandsmitglied der Deutschen Bank – jetzt soll Martin Blessing die Tradition der Banker-Dynastie fortsetzen – als Vorstandssprecher der Commerzbank.


Frankfurt am Main – Er gilt als zielstrebig und unprätentiös. Der 44-Jährige Blessing sitzt seit November 2001 im Commerzbank-Vorstand. Seine Erfolgsbilanz umfasst die Sanierung des Privatkundengeschäfts, den Aufbau der Mittelstandsbank zum inzwischen renditestärksten Segment der Commerzbank und die Expansion nach Osteuropa.

Martin Blessing: Spross einer einflussreichen Banker-Dynastie
AFP / Commerzbank

Martin Blessing: Spross einer einflussreichen Banker-Dynastie

Der in Bremen geborene Blessing wird als ehrgeizig, aber auch locker im Umgang beschrieben. Er trägt Swatch statt Rolex und Freundschaftsbändchen von seinen Töchtern. Andererseits scheut er Konflikte nicht: Gehaltskürzungen und Stellenstreichungen bei der Sanierung der Commerzbank sorgten für Empörung auf der Arbeitnehmerseite.

Mit seiner Herkunft aus einer Banker-Dynastie habe Martin Blessing keine Probleme, heißt es aus seiner Umgebung. Er sei seinen eigenen Weg gegangen. Nach einer Banklehre bei der Dresdner Bank studierte er Betriebswirtschaftslehre in Frankfurt am Main und in St. Gallen, wo er auch seine Frau Dorothee kennenlernte. 1988 erwarb er den Grad eines Master of Business Administration (MBA) an der Universität von Chicago.

Mit 31 Jahren Partner bei McKinsey

Von 1989 bis 1996 arbeitete er bei dem Unternehmensberater McKinsey in Frankfurt und New York, wo er 1994 mit nur 31 Jahren zum Partner aufstieg. 1997 kehrte Blessing zur Dresdner Bank zurück. Dort war er für das Privatkundengeschäft verantwortlich und stand von 2000 bis 2001 an der Spitze der inzwischen eingestellten Direktbank-Tochter Advance Bank.

Mit dem Finanzplatz Frankfurt ist der begeisterte Jogger und gelegentliche Marathon-Teilnehmer Blessing auch noch auf andere Weise eng verbunden. Seine Frau Dorothee, mit der er drei Töchter hat, ist Partnerin bei der Investmentbank Goldman Sachs in Frankfurt und gehört Zeitungsberichten zufolge zu den bestbezahlten Investmentbankern der Republik. Ihr Bruder Axel Wieandt ist bei der Deutschen Bank für die Konzernstrategie zuständig. Der jüngere Bruder Carl ist Partner bei McKinsey. Und Blessings im Frühjahr verstorbener Schwiegervater Paul Wieandt, zuletzt Vorstandschef und Sanierer der Bank für Gemeinwirtschaft, galt als Graue Eminenz des deutschen Kreditwesens schlechthin, dessen Rat in schwierigen Situationen immer wieder gefragt war.

Von Joachim Sondermann, AP



© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.