Erstes Statement nach Nachrichten-Leak Springer-Chef Döpfner verteidigt krude Nachrichten
Springer-Chef Döpfner in der Kritik: »Verachtung gegenüber Ostdeutschen«
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Nach der Veröffentlichung von E-Mails und Chatnachrichten aus dem Springer-Konzern versucht sich Vorstandschef Mathias Döpfner zu verteidigen. »Ich habe keinerlei Vorurteile gegen Menschen aus dem Osten Deutschlands«, schreibt er in einer Stellungnahme, die zuerst im Intranet des Verlags veröffentlicht wurde. »Aber ich bin seit Jahrzehnten enttäuscht und besorgt, dass nicht wenige Wähler in den neuen Bundesländern von ganz links nach ganz rechts geschwenkt sind. Der Erfolg der AfD beunruhigt mich.«
Die »Zeit« hatte zuvor Nachrichten des Springer-Chefs öffentlich gemacht, die aus den vergangenen Jahren stammen sollen. In den Zitaten, die die Wochenzeitung inklusive der darin enthaltenen Rechtschreibfehler aufführt, hat sich Döpfner unter anderem abfällig über Ostdeutsche geäußert. 2019 soll der Konzernchef geschrieben haben: »Die ossis werden nie Demokraten. Vielleicht sollte man aus der ehemaligen ddr eine Agrar und Produktions Zone mit Einheitslohn machen.«
»Verachtung gegenüber Ostdeutschen«
Am Donnerstagmittag hatte bereits der Ostbeauftragte der Bundesregierung, Carsten Schneider (SPD), die Ablösung von Döpfner gefordert. Auch Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) kritisiert den Axel-Springer-Chef. »Döpfners Statements sind ein Offenbarungseid: Er hat die deutsche Einheit geistig nie vollzogen, jede seiner Zeilen lebt den Geist der Spaltung«, sagte Ramelow dem Nachrichtenportal »t-online«. Nach wie vor ziehe Döpfner den »Antikommunismus wie eine Folie« über jedes Thema. »Döpfner macht so auch deutlich, was er von seinen ostdeutschen Lesern hält: nichts. Das sollte man als Verbraucherwarnung auf Springer-Blätter drucken.«
Gegenüber dem SPIEGEL fordert nun auch der Linken-Parteivize Lorenz Gösta Beutin personelle Konsequenzen: Springer mache gezielt Politik gegen Klimaschutz und Menschenrechte und schüre »Verachtung gegenüber Ostdeutschen«. Der Rücktritt von Döpfner könne deshalb »nur ein erster notwendiger Schritt sein, um mit den demokratiegefährdenden Machenschaften des Springer-Konzerns zu brechen«. Die geleakten Nachrichten von Döpfner offenbarten, dass an der Spitze des Springer-Konzerns »ein radikal rechtes Weltbild leitend ist«.
Springer sieht »meinungsstarken Verlagschef«
Döpfner versucht, diesen Eindruck in seinem Statement wiederholt zu entkräften. Das betrifft etwa den Vorwurf der Islamophobie. Er hege keine Vorurteile gegen Muslime und habe großen Respekt für die Religion des Islam. Den Islamismus, »also die terroristische Radikalisierung des Islam«, halte er jedoch für eine Bedrohung demokratischer Werte und unserer Sicherheit.
In einer der veröffentlichten Nachrichten hatte Döpfner seinen Wertekompass unter anderem so erklärt: »free west, fuck the intolerant muslims und all das andere Gesochs«.
Bereits vor dem Statement Döpfners hatte man in Springer-Kreisen versucht, die Berichterstattung der »Zeit« zu diskreditieren. Der Artikel bestehe aus »manipulativen SMS-Fetzen«, zitierte die Nachrichtenagentur dpa Verlagskreise. Döpfner sei ein meinungsstarker Verlagschef, der aus Prinzip immer Gegenmeinung und Widerspruch herausfordere und dafür immer mal wieder polemisiere.
Einfluss auf »Bild«? »Ich hoffe doch sehr«
Döpfner selbst sagt dazu: »Wie ich denke, zeigen meine über vier Jahrzehnte publizierten Artikel. Für jedes veröffentlichte Wort lasse ich mich in die Verantwortung nehmen. Aus dem Zusammenhang gerissene Text- und Gesprächsschnipsel können nicht als mein ›wahres Denken‹ dagegengesetzt werden.« Er streite gern im Sinne der Meinungsvielfalt und Meinungsfreiheit – gerade auch mit den Chefredakteurinnen und Chefredakteuren des Verlags. Das gelte ausdrücklich auch für die behauptete Einflussnahme in Sachen FDP. »Ich bin den Werten dieser Partei sehr nah. Aber unsere Journalistinnen und Journalisten lassen sich davon Gott sei Dank nicht beeinflussen.«
Döpfner hatte dem »Zeit«-Bericht zufolge den damaligen »Bild«-Chef Julian Reichelt in einer Nachricht vor der Bundestagswahl aufgefordert, die FDP hochzuschreiben: »Kann man noch mehr für die FDP machen? Die sollten 16 Prozent mindestens kriegen.«
Nimmt Mathias Döpfner also Einfluss auf die »Bild«-Zeitung? »Ich hoffe doch sehr«, schreibt der Vorstandsvorsitzende in seinem Statement stolz. »Das ist als CEO und Miteigentümer schließlich mein Job.« Über allem aber stehe »die Freiheit der Redaktionen«.