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Nach Fake-Tweet RTL prüft rund hundert Beiträge von Ex-Reporter

Die mögliche Fälschung eines Tweets von Ex-AfD-Politikerin Petry hatte für Maurice Gajda bereits ernste Folgen. Nach der Trennung prüft RTL nun sämtliche Beiträge des freien Reporters – und löscht bereits gefilmtes Rohmaterial.
aus DER SPIEGEL 35/2023
Reporter Gajda

Reporter Gajda

Foto: Frank Rollitz / Schneider-Press

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Der Skandal rund um ein möglicherweise gefälschtes Zitat der früheren AfD-Politikerin Frauke Petry hat für RTL weitreichende Konsequenzen. Der Sender will nun rund hundert Beiträge des freien Reporters Maurice Gajda auf Verstöße gegen journalistische »Guidelines« kontrollieren. Die Prüfungen dazu werden »einige Zeit in Anspruch nehmen«, sagte eine Sprecherin.

Aus: DER SPIEGEL 35/2023

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Außerdem möchte RTL seine Mitarbeiter in internen Schulungen darüber aufklären, »wie man tatsächlich existierende Posts, Tweets und Links recherchiert und ordnungsgemäß archiviert«. Mitte August hatte der Sender die Zusammenarbeit mit Gajda fristlos beendet, nachdem der Reporter einen vermeintlichen rassistischen Tweet Petrys im Twitter-Layout gestaltet und in einer RTL-»Explosiv«-Sendung präsentiert hatte. Tatsächlich gibt es keine Belege dafür, dass es den Post jemals gegeben hat. »Wir entschuldigen uns bei Frau Dr. Petry«, sagte Martin Gradl, Co-Geschäftsführer von RTL News.

Sender löscht Rohmaterial

RTL begründete die Trennung von Gajda mit »schweren Verfehlungen« des Reporters. Unter anderem sei die »Fälschung im gesendeten Beitrag« so gut gemacht gewesen, »dass sie trotz unserer mehrstufigen Sicherungsmechanismen im Tagesgeschäft nicht erkennbar war«. Gajda hat sich mittlerweile für die grafische Umsetzung des Tweets entschuldigt, jedoch bestritten, das Zitat erfunden zu haben. Er habe damals zwar keinen Screenshot angefertigt, aber den Text aus einem Tweet herauskopiert.

Mindestens fünf weitere Beiträge, die der Mitarbeiter bei einer Vietnamreise bereits gefilmt hat – unter anderem eine Reportage über Vietcong-Tunnel und ein Porträt eines Auswandererpaares – will RTL nun nicht mehr ausstrahlen. »Da wir die Zusammenarbeit mit Maurice Gajda beendet haben, werden diese Beiträge nicht mehr produziert und das Rohmaterial gelöscht«, heißt es bei RTL. Das Vertrauen in seine Arbeit sei »nicht mehr gegeben«.

rai
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