McDonald's-Alarmsignal Kein Heißhunger mehr bei Kids

Neben Single-Männern gelten Kinder als besonders wichtige Kundengruppe des kriselnden Burger-Riesen McDonald's. Dem aber fällt es offenbar immer schwerer, seine jungen Stammkunden zu halten - die Verkaufszahlen für "Happy Meals" mit Spielzeug-Beigabe jedenfalls fallen und fallen.


McDonald's-Filiale in Boston: Kinder wollen Videospiele, kein schödes Stück farbiges Plastik
REUTERS

McDonald's-Filiale in Boston: Kinder wollen Videospiele, kein schödes Stück farbiges Plastik

Oak Brook - Zurzeit ruhen die Hoffnungen der Bulettenbräter auf den Helden von "Spy Kids 2". Passend zum Kinostart gibt es für alle Kunden, die ein "Happy Meal" mit Pommes und Getränk ordern, ein Sky-Kids-Spielzeug dazu: ein "Agenten-Fernglas" etwa, einen "Spionen-Shooter" oder eine "Dual-Action-Uhr". In den USA machen diese Kombi-Mahlzeiten für die kleineren Kunden ansehnliche 20 Prozent des Umsatzes aus. Käufer, die ein "Happy Meal" bestellen, geben im Schnitt fünfzig Prozent mehr aus als Normalkunden.

Einem Bericht des "Wall Street Journal Europe" zufolge aber bröckeln in diesem besonders wichtigen Segment die Umsätze. McDonald's selbst wolle zwar offiziell nicht mitteilen, welche Dimensionen der Einnahmerückgang erreicht hat. Das "Journal" aber berichtet unter Berufung auf Insider, der "Happy Meal"-Verkauf sei 2002 das dritte Jahr in Folge gefallen. Insgesamt seien die Einnahmen in den vergangenen zwei Jahren um sechs bis sieben Prozent zurückgegangen. Die Stückzahl der verkauften "Happy Meals" sei sogar um zehn bis zwölf Prozent gefallen.

Künftig auch Spielzeug für Mama?

Dieser langsame Abwärtstrend könnte dazu führen, dass McDonald's einen wichtigen Vorsprung vor der Konkurrenz verliert. Seit die "Happy Meals" 1976 eingeführt und Spielbereiche in viele Filialen integriert wurden, hat McDonald's den Löwenanteil des Fast-Food-Marktes für Kinder erobert. Für Konkurrenten wie Pizza Hut, Kentucky Fried Chicken oder Wendy's sind Kinder als Kundenschicht dagegen vergleichsweise unbedeutend.

Dem Bericht zufolge hat sich McDonald's ein ganzes Bündel von Gegenstrategien einfallen lassen, um das drängende Problem zu lösen: So überlegen die Konzernstrategen offenbar, neben dem obligatorischen Spielzeug auch ein Geschenk für die Mütter in das "Happy Meal"-Paket einzuschließen. "Mütter sind sehr, sehr wichtige Kunden für uns", sagte Marketingchef Bill Lamar dem Blatt. Zugleich wolle McDonald's mehr investieren, um die wohl teils zweifelhafte Qualität der Spielartikel zu verbessern.

Teriyaki-Sandwich mit Oliven vs. Cheeseburger mit Pommes

Dem Bemühen, die "Happy Meals" wieder attraktiver zu machen, könnte auch die Zusammenarbeit mit Disney zum Opfer fallen. Derzeit ist McDonald's durch einen Zehnjahresvertrag an den Medienkonzern gebunden und verpflichtet, mit den "Happy Meals" keine Spielzeuge der Disney-Konkurrenz anzubieten. Das Spielzeug zu vielen Disney-Trickfilmen wie "Treasure Planet" war aber alles andere als ein Renner. Rivale Burger King feierte derweil große Erfolge mit "The Simpsons"-Figuren. Der neue McDonald's-Chef Jim Cantalupo hat bereits in einem Interview erklärt, er wolle den Disney-Vertrag überprüfen.

Möglich ist, dass das alles nicht reicht - und dass die "Happy Meals" einfach ihre Glanzzeit hinter sich haben. Viele Branchen-Experten, so das "Journal", glauben jedenfalls, dass sich Kinder der Videospiel-Generation mit schnödem Plastik-Firlefanz nicht mehr ködern lassen. Und auch die Eltern könnten McDonald's das Geschäft mit den "Happy Meals" nachhaltig vermiesen: Offenbar füttern sie ihren Nachwuchs immer häufiger nicht mehr mit Chicken McNuggets - sondern mit dem gesünderen Tunfisch-Sandwich aus dem Laden um die Ecke.



© SPIEGEL ONLINE 2003
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.