McKinsey-Studie EU-Klimaschutzziele kosten mindestens 800 Milliarden Euro

Mega-Aufwand für den Klimaschutz: Die vor wenigen Tagen beschlossenen Ökoziele der EU könnten einer Studie zufolge immense Kosten verursachen. Die Unternehmensberater von McKinsey rechnen mit mindestens 800 Milliarden Euro bis zum Jahr 2020.

Frankfurt am Main - Die EU-Staats- und Regierungschefs hatten am 9. März beschlossen, den Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxid bis 2020 um 20 Prozent zu reduzieren. Über Kosten oder konkrete Maßnahmen, wie dieses Ziel erreicht werden soll, legte sich die Gipfelrunde allerdings nicht fest.

Nachgerechnet hat dagegen die Unternehmensberatung McKinsey. Die "Welt" berichtet, dass die Fachleute des Unternehmens detailliert die Kosten und Potenziale aller weltweit verfügbaren Klimaschutz-Techniken aufgelistet haben. Auf diese Weise lasse sich der Aufwand aufzeigen, der mit dem Erreichen der Klimaschutzziele verbunden ist: "Wir rechnen bei einem ausgewogenen, sinnvollen Einsatz der günstigsten verfügbaren Umweltschutz-Technologien mit jährlichen Kosten von 60 bis 80 Milliarden Euro für die 25 EU-Länder bis zum Jahr 2020", wird der McKinsey-Experte für Energie, Thomas Vahlenkamp, zitiert. Aufaddiert ergebe sich eine Gesamtsumme von bis zu 1,1 Billionen Euro über die nächsten 14 Jahre.

Der Experte rät der Politik dem Bericht zufolge, kostengünstigere Methoden der Kohlendioxid-Einsparung mit höheren Fördermitteln zu bedenken, zum Beispiel die Gebäudesanierung. Dabei gebe es "viele sogar völlig kostenlose Möglichkeiten, Kohlendioxid einzusparen, die weder unseren Lebensstil noch unseren Komfort negativ beeinflussen würden", schreibt Vahlenkamp dem Bericht zufolge.

Eine ganz andere Rechnung hatte das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) vor knapp zwei Wochen aufgestellt. Die Wissenschaftler untersuchten nicht, welche Kosten der Klimaschutz verursacht, sondern welche Kosten durch den Klimawandel entstehen. Erschreckendes Ergebnis: Allein die Deutschen koste der Klimawandel bis zum Jahr 2050 rund 800 Milliarden Euro, das Wirtschaftswachstum werde durchschnittlich um einen halben Prozentpunkt pro Jahr gedämpft.

Dürreperioden und Ernteeinbußen werden der Prognose zufolge vor allem die Land- und Forstwirtschaft hart treffen. Dasselbe gelte für die Wintertourismus-Branche. Versicherungen, die Energiewirtschaft und der Gesundheitssektor werden ebenfalls Leidtragende des Temperaturanstiegs sein.

Für die DIW-Forscher ist deshalb klar: Nichts tun ist keine Alternative. Sonst werden die Kosten des Klimawandels die Kosten der Klimaschutzmaßnahmen schnell übersteigen.

Dieser Ansicht sind einer Umfrage zufolge auch die Führungsspitzen aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung. Sie erwarten von einem weiteren Ausbau des Klimaschutzes keine negativen Auswirkungen auf die heimische Konjunktur. Unter Berufung auf eine Umfrage unter 646 Führungspersönlichkeiten schreibt das Wirtschaftsmagazin "Capital", 80 Prozent hielten die Unternehmen für flexibel genug, auch auf strengere Auflagen zu reagieren. Nur 17 Prozent der Elite glauben demnach, die Wirtschaft werde überfordert.

Große Zuversicht herrscht laut der Umfrage auch in den Chef-Etagen der Firmen: Drei Viertel der Top-Manager urteilten, die Unternehmen könnten einen verschärften Klimaschutz ohne Nachteile verkraften, schreibt das Magazin.

wal/AP

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