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29. Mai 2008, 17:43 Uhr

Media-Markt-Werbung

Aufgebrachte Italiener stoppen Olli-Dittrich-Spot

Von Kristin Joachim

Fußball, Italiener, Fernsehgeräte: Das sind die drei Elemente, die der Elektronik-Riese Media-Markt in seiner TV-Werbung verwurstelt. Jetzt nahm der Konzern einen Spot aus dem Programm - weil italienische Zeitungen die Reklame "rassistisch" nannten.

Hamburg - Unternehmen, die etwas auf sich halten, werben in diesen Tagen mit der Europameisterschaft. Fußball gilt als vermeintlicher Verkaufsmotor - und zum Fußball gehören Italiener einfach dazu.

Olli Dittrich als "Toni der Italiener": Goldkette und Drei-Tage-Bart
Media Markt

Olli Dittrich als "Toni der Italiener": Goldkette und Drei-Tage-Bart

Das zumindest hat man sich bei der Elektronik-Kette Media-Markt gedacht. In ihrem neuesten TV-Spot hat "Toni der Italiener", gespielt vom Comedian Olli Dittrich, die Hauptrolle.

Er wuselt durch die Gänge einer Media-Markt-Filiale und preist dem Zuschauer wenige Tage vor der Europameisterschaft mit italienischem Akzent und einer sehr durchsichtigen Verkaufstaktik verschiedene Flachbildfernseher an.

Toni trägt eine überdimensionierte Sonnenbrille im Haar, eine Goldkette um den Hals und einen Drei-Tage-Bart im Gesicht. Toni ist ein Macho, schmierig und frauenfeindlich - das Klischee eines Italieners - das in Bella Italia schlecht ankommt. Die italienischen Tageszeitungen "Corriere della Sera" und "La Repubblica" nannten die insgesamt vier Werbespots mit "Toni" extrem klischeebehaftet.

Auch in Deutschland lebende Italiener haben sich bei Media-Markt über die Kampagne beschwert. Besondere Verärgerung löste einer der Spots aus, in dem "Toni" die Unterschiede zwischen den Menschen diesseits und jenseits der Alpen erklärt: "Die Deutsche kaufe Lappetoppe, die Italiener kaufe Schiedsrichter". Obwohl darauf noch "kleiner Scherz" von Toni folgt, sind die Reaktionen wenig humorvoll.

Media-Markt hat am vergangenen Montag Konsequenzen gezogen und den Spot mit dem gekauften Schiedsrichter aus dem Programm genommen. Das solle als Kompromiss verstanden werden, denn ganz werde man die Kampagne nicht stoppen, sagte eine Sprecherin des Unternehmens SPIEGEL ONLINE. "'Toni' ist ein fiktiver Charakter und steht nicht für reale Personen oder Personengruppen. Wir wollen mit dieser überzeichneten Darstellung in keinster Weise einzelne Personen oder Personengruppen beleidigen oder bloßstellen."

Die Figur "Toni" existiert schon länger neben anderen stark karikierten Figuren im Werbe-Repertoire von Media-Markt. Sie alle werden vom Comedian Olli Dittrich gespielt. Für die Fußball-Europameisterschaft passe "Toni" am besten ins Konzept, erklärte die Media-Markt-Sprecherin. Die Kampagne wird von der Hamburger Agentur Kempertrautmann begleitet.

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