Medienhochzeit Döpfner will Springer mit ProSiebenSat.1 fusionieren

Nach monatelangen Verhandlungen mit dem US-Milliardär Haim Saban kauft der Axel Springer Verlag den TV-Konzern ProSiebenSat.1. Vorstandschef Mathias Döpfner will seinen Zeitungsverlag mit dem Fernsehimperium verschmelzen. Medienexperten kritisierten die Fusion, das Kartellamt kündigte eine mehrmonatige Prüfung an.


Springer-Chef Döpfner: "Bild" und Glotze in einer Hand
REUTERS

Springer-Chef Döpfner: "Bild" und Glotze in einer Hand

Hamburg - Der Deal kostet Springer zunächst rund 2,5 Milliarden Euro. Für diesen Preis übernimmt das Verlagshaus ("Bild", "Die Welt") alle ProSiebenSat.1-Aktien der Investorengruppe um Saban. Mittelfristig sollen Springer und das Münchner TV-Unternehmen verschmolzen werden.

Der Milliardendeal wird sich nach Einschätzung von Springer- Vorstandschef Döpfner schnell auszahlen. Die Übernahme sei logisch, sie rechne sich und sei eine Investition in die Zukunft, sagte er heute in München. Man arbeite bereits seit fünf Jahren an diesem Thema, nun erfolge die Übernahme als "richtiger Schritt zur richtigen Zeit". Bilanziell könne Springer die Übernahme gut verkraften. "Wir haben die ideale Lösung für die ProSiebenSat.1-Gruppe gefunden", ergänzte Saban, der künftig Vorsitzender des TV-Beirats des fusionierten Medienunternehmens werden soll.

Sabans Investorengruppe erhält durch die Aktientransaktion 2,4 Prozent der Springer-Anteile. Verlagserbin Friede Springer wird aber weiter die Mehrheit an dem Medienhaus halten. Der Springer-Konzern übernimmt laut Vereinbarung zunächst sämtliche stimmberechtigten Anteilspapiere der Müncher Fernsehkette und ein Viertel der nicht stimmberechtigten Vorzugsaktien. Ein Anteil von 75 Millionen wird dabei in Form von 820.000 Springer-Aktien bezahlt, der Großteil hingegen in bar.

Der Springer-Aufsichtsrat stimmte bereits gestern zu. Der Anteil am Gesamtkapital erhöht sich auf 62,5 Prozent. Zuvor besaß der Verlag 12 Prozent der ProSiebenSat.1-Aktien. In einem weiteren Schritt will Springer nun den Besitzern der restlichen stimmrechtslosen Vorzugsaktien, die sich in Streubesitz befinden, ein Angebot machen - pro Papier werden nach vorläufigen Berechnungen 14,10 Euro geboten. Zudem plant Springer eine Kapitalerhöhung durch die Ausgabe neuer Vorzugsaktien.

Saban macht Kasse

Saban macht mit dem Deal seinem Ruf als "Medien-Midas" erneut alle Ehre. Der US-Milliardär hatte die Fernsehgruppe gemeinsam mit Finanzinvestoren aus dem Nachlass des insolventen Medienimperiums von Leo Kirch übernommen. Im August 2003 zahlte sein Konsortium 525 Millionen Euro für 72 Prozent der Stimmrechte und 36 Prozent des Grundkapitals von ProSiebenSat.1. Später stockte er seinen Anteil auf. Der Gesamtpreis, den Saban für seine Anteile bezahlte, ist nicht bekannt.

Fest steht aber: Der Wert der ProSiebenSat.1 AG, zu der neben den beiden namensgebenden Sendern auch noch die Kanäle Kabel Eins und N24 gehören, hat sich seit Sabans Einstieg vervielfacht. Im vergangenen Jahr verbesserte sich das Ergebnis vor Steuern von 57 auf 217,5 Millionen Euro. Den Umsatz steigerte der Konzern um 1,5 Prozent auf gut 1,8 Milliarden Euro.

Dabei stand es lange Zeit nicht gut um Deutschlands größte TV-Kette, die heute 2700 Mitarbeiter beschäftigt. Die Geschichte von ProSiebenSat.1 ist eine Geschichte vieler Hochs und Tiefs. Als erster deutscher Privatsender ging Sat.1 1984 an den Start. ProSieben - später der Kern des Konzerns - folgte fünf Jahre später. Im Juli 1997 brachte der damalige Sender-Chef Georg Kofler die ProSiebenMedia AG erfolgreich an den Frankfurter Aktienmarkt - der bis dahin größte Börsengang eines Medienunternehmens in Deutschland.

Die Übernahme von Sat.1, das ebenfalls zur KirchGruppe gehörte, im Jahr 2000 war ein logischer Schritt. Die Integration des verlustreichen Senders gestaltete sich allerdings schwierig. Später wollte Leo Kirch seine KirchMedia mit ProSiebenSat.1 zu einem integrierten Medienkonzern verschmelzen. Doch der Plan scheiterte - vor drei Jahren ging der Medienmogul schließlich Pleite.

Friede Springer gibt weiter den Ton an

Saban mit "Bild"-Zeitung: Springer-Aktien für den US-Investor
DPA

Saban mit "Bild"-Zeitung: Springer-Aktien für den US-Investor

Danach gab es zähe Verkaufsverhandlungen, in denen die Fernsehkette ursprünglich an den Bauer-Verlag verkauft werden sollte. Doch Bauer machte einen Rückzieher. Im Sommer 2003 schlug schließlich Saban zu.

Mit der Übernahme erfüllt Döpfner im Grunde den jahrzehntelangen Traum von Verlagsgründer Axel Springer - den Verlag mit der meistgelesenen deutschen Zeitung "Bild" auf das Fernsehen auszuweiten.

Mit der Übernahme wird Springer neben dem Bertelsmann-Konzern - zu dem unter anderem die RTL-Gruppe sowie der Großverlag Gruner+Jahr gehören - zum zweiten großen Medienhaus des Landes, das Fernsehsender und Printmedien unter einem Dach vereint. Gemessen am Umsatz bleibt Bertelsmann allerdings wegen seines Buchgeschäftes noch um ein Mehrfaches größer.

Kartellamt will monatelang prüfen

Die Übernahme wird vom Bundeskartellamt mehrere Monate lang intensiv geprüft werden. Da hier Zeitungs- und Fernsehunternehmen zusammengeführt würden, sei dies der erste Fall einer so großen "cross-medialen Fusion", sagte eine Kartellamtssprecherin in Bonn. Es sei deshalb nicht damit zu rechnen, dass eine vierwöchige Vorprüfphase ausreiche, sondern es werde danach voraussichtlich zu einem Hauptprüfverfahren kommen, das drei Monate dauern könne. Die Anmeldung durch Springer werde in den nächsten Tagen erwartet.

Einige Medienexperten halten die Meinungsmacht des neuen Riesen für bedenklich. Der medienpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Jörg Tauss, sagte: "Ich sehe diese Entwicklung außerordentlich kritisch." Er hoffe, dass die Bundesländer offensiv reagierten und beispielsweise im Gegenzug den Regionalbereich der öffentlich-rechtlichen Sender stärkten.

Der Deutsche Journalisten-Verband appellierte an das Bundeskartellamt, der geplanten Übernahme die Zustimmung zu verweigern. "Eine solche Vormachtstellung kann nicht im Sinne der Demokratie und des möglichst umfassenden meinungsbildenden Auftrags der Medien sein", warnte der DJV-Bundesvorsitzende Michael Konken. Eine solche Medienmacht in einer Hand sei verheerend für die Meinungsvielfalt in Deutschland.



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