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24. Mai 2006, 13:33 Uhr

Medikamente

Preiskampf in der Apotheke

Sandoz-Hexal legte vor, Ratiopharm und Stada ziehen nach. Die Hersteller von sogenannten Generika wollen in Kürze ihre Preise massiv senken. Die Folge: Für die Patienten könnte die Zuzahlungspflicht für diese Medikamente entfallen.

Hamburg – Marktführer Hexal und das Unternehmen Sandoz, die beide zum Schweizer Pharmariesen Novartis gehören, kündigten am Mittwoch massive Preissenkungen zum 1. Juni an. Bei Hexal werden rund 40 Prozent des Sortiments um durchschnittlich 22 Prozent billiger. Vor allem die Preise für umsatzstarke Medikamente wie Cholesterinsenker, Bluthochdruckmittel und andere Herz-Kreislauf-Präparate sollen sinken.

Apotheke in Düsseldorf: Generika-Hersteller wollen Preise massiv senken
DPA

Apotheke in Düsseldorf: Generika-Hersteller wollen Preise massiv senken

Hexal teilte weiter mit, durch die Senkung würden die Preise des Unternehmens "im niedrigsten Bereich der gesamten Branche" liegen. Auf Basis der aktuellen Verordnungszahlen ergebe sich für die Krankenkassen eine Einsparung von rund 60 Millionen Euro pro Jahr. Sandoz kündigte an, den Preis von 270 Präparaten zu senken. Das Unternehmen bezifferte die Einsparungen dadurch auf sieben Millionen Euro pro Jahr.

Kurz nach der Ankündigung der Novartis-Ableger teilte auch Ratiopharm, die Nummer zwei auf dem deutschen Markt, mit, die Preise massiv senken zu wollen- zumindest für die Produkte, bei denen es gesetzlich möglich sei. Nach den gesetzlichen Bestimmungen entfällt eine Zuzahlungspflicht für Patienten, wenn ihnen Präparate verordnet werden, deren Preise mindestens 30 Prozent unter den von den gesetzlichen Krankenkassen festgelegten Festbeträgen liegen.

Stada überlegt nun nachzuziehen: "Wir werden jetzt eine Einzelfallprüfung eingehen. Da behalten wir uns alles vor", sagte ein Sprecher. Möglich sei, dass Stada bei einem Teil seiner Medikamente seine Preise senke, vielleicht sogar etwas mehr als die Konkurrenz. "Wenn wir die Preise senken, werden wir dies mit Erwartungen von Mengensteigerungen verbinden, wobei wir insbesondere darauf zielen, Erstanbietern zusätzliche Marktanteile abzunehmen."

Hintergrund der Entscheidungen sind die Reformen im Gesundheitswesen, die eine steigende Nachfrage nach besonders günstigen Medikamenten erwarten lassen. Hexal erklärte, dass die Ärzte wegen der Neuregelungen zu den Arzneimittelpreisen verunsichert seien: Das Unternehmen sieht seine Chance daher darin, den Ärzten die Sicherheit zu bieten, sich mit Hexal-Präparaten stets im niedrigsten Preissegment zu bewegen.

Der Bundesverband der Betriebskrankenkassen (BKK) begrüßte die Preissenkungen. Dadurch sparten "die Versicherten und die Krankenkassen bares Geld, ohne dass die Versorgungsqualität leidet", sagte Verbandssprecher Florian Lanz.

Generika sind Arzneimittel, bei denen der ursprüngliche Patentschutz abgelaufen ist, sie dürfen daher von Drittfirmen "kopiert" werden. Hexal und Sandoz sind gemeinsam mit einem Marktanteil von 25 Prozent größter Anbieter dieser Produkte in Deutschland.

rüd/AFP/Reuters/Dow Jones

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