Mega-Minusgeschäft Chrysler-Verkauf kostet Zetsche Milliarden

Diese Scheidung wird teuer: Daimlers Trennung von Chrysler nach neun Jahren kostet die deutsche Seite mehrere Milliarden Euro. Die Konzernbilanz ist stark belastet. Chef Zetsche versprüht trotzdem Zuversicht.

Stuttgart - Daimler zieht mit dem Verkauf von Chrysler einen ziemlich teuren Schlussstrich unter neun Jahren Ehe mit dem US-Autobauer. Der Finanzinvestor Cerberus übernimmt 80,1 Prozent an Chrysler, für insgesamt 5,5 Milliarden Euro. Das teilte DaimlerChrysler   heute mit. Unter diesem alten Namen firmiert der Konzern wohl noch bis Herbst - dann soll er in Daimler AG umbenannt werden.

Der Verkauf werde die Bilanz der Stuttgarter in diesem Jahr netto mit drei bis vier Milliarden Euro belasten, teilte Konzernchef Dieter Zetsche heute mit. Grund sei, dass der Großteil des Kaufpreises Chrysler zufließe. Daimler muss außerdem noch Schulden schultern.

Chrysler bekommt aus dem Verkaufserlös 4,5 Milliarden Euro mit für die Zukunft - nur eine Milliarde geht an Daimler, teilte das Unternehmen mit. Cerberus erhalte außerdem ein Darlehen über rund 300 Millionen Euro von Daimler. Die Gesundheits- und Pensionskosten der Chrysler-Beschäftigten, die Experten auf rund 13 Milliarden Euro schätzen, werden auf die neue Chrysler Group und damit auf den neuen Mehrheitseigentümer Cerberus übertragen.

Bei der Fusion mit Chrysler hatte die Daimler-Benz AG 1998 noch rund 36 Milliarden Dollar für das Unternehmen bezahlt. Abzüglich des jetzt erzielten Verkaufserlöses und der laut Zetsche elf Milliarden Dollar, die Chrysler seit der Fusion zum Unternehmensergebnis beigetragen habe, bleibt Daimler auf mehreren Milliarden Euro Minus sitzen.

Zetsche betonte heute, man dürfe den Verkauf von Chrysler nicht nur unter Kostengesichtspunkten betrachten. Es sei intensiv nach einem Kaufinteressenten gesucht worden, der Chrysler gute Zukunftsperspektiven biete, zuverlässig sei und den Kauf schultern könne, ohne in finanzielle Schwierigkeiten zu geraden. In allen Punkten habe sich Cerberus besser dargestellt als andere Bieter - "nicht unglaublich besser, aber klar besser".

Der Dachverband der Kritischen Aktionäre protestierte gegen die Verkaufsentscheidung, weil DaimlerChrysler das Angebot der Chrysler-Mitarbeiter ausgeschlagen hatte. Die rund 80.000 Chrysler-Beschäftigten in den USA hatten das Unternehmen selbst kaufen und sanieren wollen. Dem Verband zufolge ist der heute bekannt gegebene Deal "absolut unverständlich", denn die Mitarbeiter verfügten über enorme finanzielle Rückendeckung und könnten mit einem Gebot von bis zu 6,3 Milliarden Euro deutlich über die bisher genannte Kaufsumme gehen.

Mit Cerberus dagegen sei der "Weg zu weiteren Massenentlassungen und Werksschließungen vorgezeichnet". So sollten 30.000 Arbeitsplätze gestrichen, fünf Werke geschlossen und das Jeep-Werk in Toledo verkauft werden. Mittelfristig könnte Chrysler in den Bankrott geführt werden, um sich der verbliebenen Pensionslasten zu entledigen.

Cerberus-Chairman John Snow unterstrich dagegen das langfristige Interesse seiner Gesellschaft an Chrysler. "Wir denken nicht ans nächste Quartal, unser Interesse ist langfristiger Natur."

Zetsche äußerte sich heute zu Stellenabbau-Plänen nur mit Blick auf die deutsche Seite: Die Trennung von Chrysler könnte auch in der Verwaltung der künftigen Daimler AG Arbeitsplätze kosten. "Ich kann kleinere Anpassungen nicht ausschließen." Der größte Teil sei aber dank früherer Sparaktionen schon geschafft. Details nannte er nicht. Insgesamt biete der Verkauf von Chrysler mehr Vor- als Nachteile, sagte Zetsche.

kaz/Reuters/AP/ddp

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