Mehdorns neues Preissystem Meine Bahncard, deine Bahncard

Die Deutsche Bahn führt nach der massiven Kritik an ihrem neuen Preissystem wieder eine Bahncard mit 50 Prozent Rabatt ein. Weil es die 25-Prozent-Bahncard aber weiterhin geben soll, ist die Verwirrung wieder einmal perfekt.


Bahn-Preissystem: Verwirrende Vielfalt
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Bahn-Preissystem: Verwirrende Vielfalt

Berlin - Wie der SPIEGEL bereits am Wochenende berichtete, wird die neue alte Bahncard allerdings deutlich teurer. Die Karte für die zweite Klasse kostet künftig 200 Euro (früher: 140 Euro), für die erste Klasse 400 Euro (früher: 280 Euro). Schüler, Studenten, Azubis und Rentner müssen dafür jedoch nur die Hälfte bezahlen.

Damit reagiert die Bahn auf die anhaltende Kritik an ihrem seit Dezember geltenden Preissystem. Damals war die 50-Prozent-Bahncard abgeschafft und durch eine neue Karte ersetzt worden, die nur 25 Prozent Ersparnis brachte.

Diese "Bahncard 25" zum Preis von bislang 60 Euro für die zweite Klasse soll es auch weiterhin geben. Im Unterschied zur "Bahncard 50" ist sie auch mit anderen Rabatten kombinierbar. Allerdings soll es künftig weniger Frühbucher-Rabatte geben. Bislang gab es - je nach Buchungstag - 10, 25 oder 40 Prozent Ermäßigung.

Einbruch im Ferverkehr

Das geänderte Preissystem wollte Bahnchef Hartmut Mehdorn am frühen Nachmittag offiziell vorstellen. Der bundeseigene Verkehrskonzern hatte nach massiven Kundenprotesten bereits einzelne Regelungen wieder abgeschafft, die Grundlinien jedoch unverändert gelassen. Mit der Wiedereinführung der Bahncard für Fahrten zum halben Preis kommt Mehdorn jetzt Forderungen aus der Politik sowie von Umwelt- und Fahrgastverbänden nach. Ursprünglich hatte die Bahn das Preissystem frühestens nach einem Jahr ändern wollen.

Auf Grund erheblicher Probleme im Personenfernverkehr musste der Konzern jetzt jedoch früher reagieren. In den ersten fünf Monaten des Jahres lag der Umsatz in dieser Sparte Unternehmenskreisen zufolge mit 1,02 Milliarden Euro um rund 262 Millionen Euro unter Plan. Der Betriebsverlust betrug 231 Millionen Euro. Geplant war lediglich ein Minus von 28 Millionen Euro. Als Gründe dafür nannte die Bahn unter anderem die Konjunkturflaute sowie die gestiegene Konkurrenz durch innerdeutsche Billigflieger.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes gab es im Fernverkehr im ersten Quartal dieses Jahres nur noch 27 Millionen Fahrgäste - ein Minus von 10,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Die Statistiker führten dies auch auf Änderungen bei Preis- und Tarifsystemen zurück.



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