Mehr Chefinnen als Chefs Türkischer Renommier-Konzern setzt voll auf Frauen

Konsequente Frauenförderung – in der Türkei: Eines der größten Unternehmen des Landes, die Sabanci Holding, wird schon jetzt von einer Chefin und vielen Managerinnen gelenkt. Es sollen noch viel mehr werden – in Zukunft werden vor allem junge Frauen eingestellt.


Ankara - Güler Sabanci gilt vielen als die mächtigste Frau des Landes – und sie setzt Zeichen. Der von ihr geführte Familienkonzern Sabanci Holding soll nach eigenen Ankündigungen bald mehrheitlich von Frauen gelenkt werden.

Unternehmerin Sabanci: Mächtiges Vorbild für türkische Frauen
REUTERS

Unternehmerin Sabanci: Mächtiges Vorbild für türkische Frauen

Innerhalb von fünf Jahren werde die Zahl der Managerinnen die Zahl der Männer in der Führungsetage übersteigen, sagte Ridvan Yirmibesoglu – ein Mann, übrigens, und Personalchef des Unternehmens.

Derzeit sei das Verhältnis etwa 50 zu 50, so Yirmibesoglu laut Zeitung "Yeni Safak". In den nächsten Jahren würden aber vor allem junge Frauen eingestellt.

Das wäre ein mächtiges gesellschaftliches Signal. Denn die Sabanci-Gruppe besteht aus 70 Unternehmen mit 52.000 Mitarbeitern und erzielt einen Jahresumsatz von etwa zwölf Milliarden US-Dollar (acht Milliarden Euro). Der Mischkonzern besitzt unter anderem eine Bank sowie mehrere Supermarktketten und ist in einem Jointventure mit Toyota auch im Autobau tätig. Chefin Güler Sabanci betreibt zudem eine angesehene Universität und ein führendes Kunstmuseum in Istanbul.

Neben Sabanci haben in den vergangenen Jahren auch andere Unternehmerinnen in der Türkei prominente Positionen erobern können. So wird der wichtigste Unternehmerverband des Landes, die Industriellenvereinigung Tüsiad, seit einem Jahr von der Medienunternehmerin Arzuhan Dogan-Yalcindag geführt.

itz/AFP



insgesamt 12 Beiträge
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Bernd3XL, 31.01.2008
1. Spitzenmäßig,
denn auch so kann man wirksam Politik machen. Wenn immer mehr Frauen in Chefpositionen sind, wird auch äußerst wirksam das Machotum und der *ismus zurückgedrängt. Die haben die Zeichen der Zeit erkannt!
michael_mueller 31.01.2008
2. Leistung hat entscheidend zu sein
Zitat von sysopKonsequente Frauenförderung – in der Türkei: Eines der größten Unternehmen des Landes, die Sabanci Holding, wird schon jetzt von einer Chefin und vielen Managerinnen gelenkt. Es sollen noch viel mehr werden – in Zukunft werden vor allem junge Frauen eingestellt. http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,532314,00.html
Was ist denn das für ein seltsames Thema? Für die Frage, wer eingestellt wird, hat doch die Leistung entscheidend zu sein und nicht, ob jemand männlich oder weiblich ist. Wenn sich die Chefin der Sabanci Holding gegen andere Männer und Frauen durchgesetzt hat, kann man sie nur dazu beglückwünschen. Es kann aber doch nicht auf die Eigenschaft des "Frau sein" abgestellt werden. Wenn sich für das Unternehmen viele leistungsfähige und leistungsbereite Frauen anbieten, ist das sicher nur zu begrüßen. Irritierend ist aber diese Überbetonung, dass "in Zukunft vor allem junge Frauen eingestellt" werden. Wenn damit keine Bevorzugung gegenüber Männern verbunden ist, ist dagegen sicher nichts einzuwenden.
Robinchen, 31.01.2008
3. Die Zukunft ist weiblich
Eine gute Entwicklung, die man sich auch für Deutschland wünschen würde. Verstehen sich hochrangige Manager-Männchen doch vor allem als Alpha-Tiere die unentwegt am eigenen Helden-Epos basteln. Früher oder später kracht dieses ganze mehr Sein als Schein dann fast zwangsläufig in sich zusammen, zuletzt gerade wieder beim Börsencrash zu beobachten. Ich glaube nicht, daß es bei einer von Frauen dominierten Wirtschaft und Gesellschaft zu derartigen Exessen kommen würde, wie wir sie täglich dem Wirtschaftsteil der Zeitungen entnehmen müssen. Zum Beispierl dieser ganze Börsen-Quatsch mit "Optionen", "Zertifikaten", "Leerverkäufen" usw. Das erinnert doch eher an an das Treiben durchgeknallter Desperados in mafiosen Wettbüros, die, von ihrer Gier getrieben, den Hals nicht voll genug bekommen können. Von der stets geforderten Nachhaltigkeit keine Spur. Frauen sind da grundsätzlich anders gestrickt. 100.000 Jahre Evolution haben ihnen verwurzelte Eigenschaften vermittelt, die ihnen besonders auch in modernen arbeitsteiligen Gesellschaftsformen zum Vorteil gereichen. Männer wirken da doch eher wie vom Aussterben bedrohte Saurier. Wenn diese Meldung also überhaupt überrascht, dann wohl nur, weil sie aus der angeblich so rückständigen Türkei kommt. Fest steht jedenfalls, die Zukunft ist weiblich. Aber es gibt einen Trost für die immer weniger erfolgsverwöhnte Männerschaft. Weibliche Erfolgsstrategien sind nicht ausschließlich Frauen vorbehalten, Männer können das auch, sie müssen nur wollen ...
pryce 31.01.2008
4. Endlich ...
... mal auch ein Artikel über die "andere" Türkei! Eine Türkei, die gerne ausgeblendet wird, nicht nur von Herrn Koch und seinesgleichen, sondern auch gerne von vermeintlich Aufgeklärten. Die türkische Frau trägt eben nicht ausschließlich Kopftuch und läuft 3 Schritte hinter dem Ehemann her! Jedes Türkeithema in der Tagesschau & Co wird ja gerne mit Verschleierung und Alditüte bebildert. Es geht auch anders, auch wenn der Weg der Türkei Richtung EU-Standards noch weit sein mag!
iso 31.01.2008
5. Gesellschaftswandlung und -polarisation
Ein so großer und professionell geführter Konzern wird schon fähige Mitarbeiter einstellen, dessen Kompetenz nicht die Weiblichkeit allein ist. Jedoch in Zeiten in der die Gesellschaft und Politik der Türkei gen rückwärts gewandt ist, ist dies doch einmal ein gutes Zeichen und eine gute Nachricht. Inwiefern es einen politischen Hintergedanken hat kann ich nicht nachvollziehen.
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