Materialengpässe durch Sanktionen Mehr Kurzarbeit in der Industrie

Der Angriffskrieg in der Ukraine belastet Deutschlands Industrie. Viele Betriebe klagen über Materialengpässe, die Kurzarbeit steigt um zwei Prozent. Andere Branchen profitieren hingegen von Corona-Lockerungen.
Containerschiffe im Hamburger Hafen: Deutsche Industrie leidet unter Materialknappheit

Containerschiffe im Hamburger Hafen: Deutsche Industrie leidet unter Materialknappheit

Foto: Daniel Reinhardt / dpa

Die Zahl der Kurzarbeitenden in der Industrie ist im März gegen den Trend um zwei Prozent auf 140.000 Personen gestiegen. Allein in der Autoindustrie stieg die Anzahl der Menschen in Kurzarbeit von 36.000 auf 43.0000. Grund sind offenbar Materialengpässe, die sich infolge des russischen Einmarschs in die Ukraine verschärft haben. Das ergab eine Analyse des Münchner ifo-Instituts.

80,2 Prozent der Industriebetriebe klagten demnach im März über Engpässe und Probleme bei der Beschaffung von Vorprodukten und Rohstoffen. 17 Prozent der Industriefirmen importieren den Ifo-Angaben zufolge aus Russland, das wegen des Krieges von westlichen Staaten mit harten Sanktionen belegt wurde.

Sinkender Trend

In anderen Branchen zeigt sich hingegen ein positiver Trend. Im Gastgewerbe, das von den Corona-Lockerungen stark profitiert, sank die Zahl der Kurzarbeitenden etwa von 215.000 auf 170.000, der Anteil von 20,2 auf 16,0 Prozent der Beschäftigten. Im Einzelhandel gab es ebenfalls einen deutlichen Rückgang,

Insgesamt befinden sich derzeit noch 620.000 Menschen in Kurzarbeit. Das sind noch immer deutlich mehr als vor Ausbruch der Corona-Pandemie. Damals hatte die Zahl bundesweit bei 134.000 gelegen, ehe sie im April 2020 den Rekordwert von sechs Millionen erreicht hat. Der vorherige Höchstwert während der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise im Frühjahr 2009 lag bei rund 1,5 Millionen Kurzarbeitenden.

rai/Reuters
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