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LOBBYISTEN Meilensammeln für die Umwelt

aus DER SPIEGEL 12/2007

Einer der prominentesten Klimaschützer der Bundesrepublik, der Geschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe (DUH) Jürgen Resch, könnte wegen seines eigenen Reiseverhaltens schon bald unter erheblichen Rechtfertigungsdruck geraten. Der Öko-Aktivist, der sich gern mit der Automobilindustrie anlegt und den Einsatz spritfressender Dienstwagen für Regierungsmitglieder anprangert, bevorzugt als Fortbewegungsmittel offenbar ein besonders umweltschädliches Transportmittel, das Flugzeug. Resch gehört seit gut zwei Jahren zu einem kleinen, erlauchten Kreis von knapp 3000 Lufthansa-Vielfliegern, dem sogenannten Hon-Circle. Wer die begehrte schwarze Karte besitzt, wird vor und nach dem Flug in exklusiven Topkunden-Lounges verwöhnt und auf Wunsch sogar in einem Porsche-Cayenne direkt zum Flugzeug gebracht. Voraussetzung ist allerdings, dass der Passagier innerhalb von zwei Jahren mindestens 600 000 Meilen gesammelt hat. Das schaffen in der Regel nur Vertriebsbeauftragte großer Konzerne oder Unternehmensberater, die weltweit im Einsatz sind. Resch rechtfertigt seine rastlosen Flugeinsätze mit der Teilnahme an internationalen Klimakonferenzen und -projekten. Außerdem müsse er mehrmals pro Monat zwischen der DUH-Zentrale am Bodensee und dem Verbandsbüro in Berlin pendeln. Indirekt trägt Resch damit sogar zur Finanzierung der von ihm selbst zusammen mit Großunternehmen wie der Lufthansa initiierten Naturschutzvorhaben bei: Für jeden von ihm abgeflogenen Flugkilometer zahlt die DUH am Jahresende einen Umweltobolus in eine Projektkasse.

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