Erfahrungen mit Corona-Soforthilfe Mein Fall ist in den Regeln nicht vorgesehen

Branko Trebsche, 46, IT-Berater aus Oldendorf, hat im vergangenen Jahr recht wenig verdient. Die Coronakrise vereitelte die Aufholjagd - und der Staat hilft in solchen Fällen nicht.
Foto: Privat

Ich berate Unternehmen, die Prozesse digitalisieren und automatisieren wollen. Den größten Teil der Arbeit kann ich auch von zuhause aus am Computer erledigen. Das Problem ist nur, dass ich mir zuvor sehr genau anschauen muss, wie die Arbeitsabläufe im Alltag aussehen, damit ich in der Lage bin, geeignete Lösungen für meinen Kunden zu entwickeln.  Das aber ist kaum möglich, weil die Flure in den Zentralen meiner Auftraggeber verwaist sind. Hinzu kommt, dass derzeit kaum jemand an neue Investitionen denkt. Alle halten ihr Geld zusammen, um durch die Krise zu kommen.

Die Folgen werde ich erst in einiger Zeit auf meinen Konto zu spüren bekommen. Grob gerechnet sind rund 75 Prozent meiner Aufträge weggebrochen. Das letzte Projekt habe ich Ende Februar abgeschlossen. Drei Aufträge sind storniert worden. Die Durststrecke dürfte wohl noch länger anhalten, als die Reglementierungen wegen Corona. Mal sehen, wie das weitergeht. 

Was den Antrag auf Soforthilfe betrifft, habe ich wenig Hoffnung. Denn eine der wichtigsten Voraussetzungen für einen Anspruch ist, dass die Umsätze im Vergleich zum Vorjahr um mehr als die Hälfte geschrumpft sind. Im letzten Jahr musste ich aus familiären Gründen deutlich kürzertreten. Dann kam im Herbst die Zögerlichkeit der Auftraggeber hinzu, weil die Regeln für die Scheinselbständigkeit verschärft wurden. Ein Jahr Durststrecke lässt sich durchhalten, dachte ich im Frühling. Doch jetzt, nach dem Corona-Lockdown würde jede Unterstützung helfen, aber in den Regeln ist mein Fall nicht richtig erfasst.

Aufgezeichnet von Michael Kröger