Melamin-Skandal China fragt bei deutschen Molkereien nach Milchpulver

Die deutschen Milchbauern und Molkereien könnten vom Skandal um verseuchtes Milchpulver in China profitieren: Laut einem Zeitungsbericht wollen Chinesen nun verstärkt deutsche Ware importieren.


Berlin - Nach dem Skandal um verseuchtes Milchpulver steigt in China offenbar die Nachfrage nach Molkerei-Importen. "Es gibt Anfragen aus China", sagte der Geschäftsführer des Milchindustrieverbandes (MIV), Eckhard Heuser, der "Welt". Lieferverträge seien bislang aber noch nicht abgeschlossen worden.

In der vergangenen Woche war beim chinesischen Hersteller Sanlu die giftige Chemikalie Melamin in Baby-Milchpulver entdeckt worden. Die Industriechemikalie führt zu schweren Nierenerkrankungen. Mehr als 50.000 Säuglinge sind nach Behördenangaben in der Folge erkrankt. Fast 13.000 Babys müssen behandelt werden.

Nachdem in der Volksrepublik kein Vertrauen mehr in die heimische Ware besteht, rechnet Heuser schon bald mit dem Abschluss mehrerer Lieferverträge - ohnehin schon orderten chinesischen Unternehmen hierzulande zunehmend Milchpulver.

Im ersten Halbjahr 2008 hätten die heimischen Molkereien laut MIV gut 3500 Tonnen Vollmilch- und Molkepulver in die Volksrepublik geliefert, berichtete die "Welt" weiter. Das seien 54 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

Mit neuen Aufträgen rechnet der MIV nach eigenen Angaben aber nicht nur aus China: Nachdem zahlreiche Länder in Afrika und Asien in Folge des Skandals die Einfuhr chinesischer Produkte eingestellt haben, müssten auch dort die entstehenden Lücken mit Ware aus anderen Lieferländern gefüllt werden.

Am Wochenende waren geringe Spuren des Stoffs in Hongkong in einem Produkt des weltgrößten Nahrungsmittelkonzerns Nestlé nachgewiesen worden. Jedoch sei die Konzentration so gering, dass der normale Konsum der in China hergestellten "Dairy Farm Pure Milk" unbedenklich sei, teilten die Behörden in Hongkong mit.

Nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Peking sind alle bislang untersuchten Krankheitsfälle auf Milchpulverprodukte und nicht auf flüssige Milch zurückzuführen. Die meisten Kinder, die in den Krankenhäusern behandelt werden mussten, seien mit verunreinigten Milchpulverprodukten der Firma Sanlu versorgt worden.

ssu/AFP/ddp

© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.