Nach Scheidung von Microsoft-Gründer Melinda French Gates gibt ihr Vermögen nicht mehr nur der Gates-Stiftung

Die Trennung von Bill und Melinda Gates hat finanzielle Auswirkungen auf die gemeinsame Stiftung. Die Ex-Frau des Unternehmers will ihr Vermögen nun auch an andere Organisationen verteilen.
Melinda French Gates (im Juli 2021): Geld neu verteilen

Melinda French Gates (im Juli 2021): Geld neu verteilen

Foto: Michel Euler / AP

Diese Nachricht dürfte viele Wohltätigkeitsorganisationen aufhorchen lassen: Melinda French Gates sortiert nach der Scheidung von Bill Gates ihr Engagement als Philanthropin um. Sie verpflichtet sich nicht mehr, den größten Teil ihres Vermögens an die von ihr und ihrem früheren Ehemann gegründete Stiftung zu spenden, sondern wird die Gelder stattdessen an andere Wohltätigkeitsorganisationen verteilen, berichtet das »Wall Street Journal« (WSJ).

Demnach hat die 57-Jährige den Wechsel Ende 2021 vollzogen, schreibt die Zeitung unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen. Es sei möglich, dass French Gates zusätzlich an die Stiftung spende, auch wenn sie an andere Wohltätigkeitsorganisationen Geld gebe, hieß es.

Ein Sprecher der Gates-Stiftung lehnte eine Stellungnahme ab, die über das hinausgeht, was French Gates in ihrem jüngsten Giving-Pledge-Brief dargelegt hat, den sie getrennt von Bill Gates veröffentlichte.

»The Giving Pledge « (auf Deutsch etwa: das Spendenversprechen) ist ein Klub von wohltätigen Superreichen. Er wurde 2010 von Warren Buffett gemeinsam mit Bill und Melinda Gates gegründet. Mitmachen darf nur, wer eine Milliarde besitzt – oder besitzen würde, wenn er nicht versprochen hätte, mindestens die Hälfte des eigenen Reichtums abzugeben.

»So überlegt und wirkungsvoll wie möglich«

»Ich glaube, dass Philanthropie am effektivsten ist, wenn sie Flexibilität über Ideologie stellt. Deshalb werde ich bei meiner Arbeit in der Stiftung und bei Pivotal Ventures weiterhin nach neuen Partnern, Ideen und Perspektiven suchen«, schrieb French Gates laut »WSJ«.

Sie gründete Pivotal Ventures im Jahr 2015, um sich auf Themen zu konzentrieren, die Frauen und Familien in den USA betreffen, einschließlich bezahlter Urlaubsregelungen und der Förderung von Frauen in der Technologiebranche und bei der Kandidatur für öffentliche Ämter.

»Ich erkenne die Absurdität, dass so viel Reichtum in den Händen einer einzigen Person konzentriert ist, und ich glaube, das einzig Verantwortungsvolle, was man mit einem Vermögen dieser Größe tun kann, ist, es zu verschenken – und zwar so überlegt und wirkungsvoll wie möglich«, heißt es laut »WSJ« weiter in dem Brief.

Melinda und Bill Gates hatten vergangenes Jahr erklärt, sich nach 27 Jahren Ehe scheiden zu lassen. Sie nahm ab da zusätzlich zu ihrem Ehenamen ihren Mädchennamen hinzu. Es wurde über die teuerste Scheidung der Welt spekuliert.

Als Ehepaar hatten sich Bill und Melinda Gates 2010 verpflichtet, den Großteil ihres Vermögens der Bill & Melinda Gates Foundation zukommen zu lassen, die im Jahr 2000 gegründet wurde.

Die Gates-Stiftung hat 1600 Angestellte und gibt jedes Jahr rund fünf Milliarden Dollar für Wohltätiges aus. Es ist die größte private Stiftung der Welt, sie spielt insbesondere in der globalen Gesundheitsentwicklung eine enorm wichtige Rolle und ist einflussreicher als ganze Staaten.

Noch im vergangenen Jahr hatten Bill Gates und Melinda French Gates bekannt gegeben, dass sie weitere 15 Milliarden Dollar für die Stiftung bereitstellen würden.

Beide sind Co-Vorsitzende. French Gates hat sich offengehalten 2023 zurückzutreten, falls die Zusammenarbeit nicht mehr funktioniert.

Stiftung will ehrliches Feedback

Die Stiftung hat vor Kurzem vier Mitglieder in ihren Stiftungsrat aufgenommen. Das bedeute aber nicht, dass die Prioritäten sich änderten, sagte Stiftungs-Geschäftsführer Mark Suzman dem »WSJ«. Man erhoffe sich aber von den neuen Köpfen mehr ehrliche Rückmeldungen. »Viele unserer Partner haben keinen wirklichen Anreiz, uns ein hartes Feedback oder einen ehrlichen Dialog zu geben, da sie oft auf der Suche nach Partnerschaften oder Geldquellen sind«, sagte Suzman.

Transparenzhinweis: Die Gates-Stiftung unterstützt Medienunternehmen in den USA und Europa, darunter auch das Projekt »Globale Gesellschaft« beim SPIEGEL mit rund 2,3 Millionen Euro über drei Jahre. Mehr dazu lesen Sie hier .

mmq/Reuters
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.