Merrill Lynch Kahlschlag bedroht 10.000 Jobs

Das größte amerikanische Investmenthaus, Merrill Lynch, will offenbar massiv Stellen streichen. 15 Prozent der Belegschaft sitzen auf wackelnden Stühlen, zahlreiche Auslandstöchter könnten geschlossen werden.


New York - Nach einem Bericht des "Wall Street Journal" plant das in New York ansässige Bankhaus eine der größten Umstrukturierungen seiner 86-jährigen Geschichte. Zunächst einmal werde es eine Milliarde Dollar kosten, diese Sparmaßnahmen einzuleiten, schreibt das "Journal" unter Berufung auf hochrangige Mitarbeiter.

In den USA selbst drohen dem Bericht zufolge unter der Führung des neuen Präsidenten Stanley O'Neal drastische Einschnitte unter anderem in den Abteilungen Fonds-Management, Aktienhandel und Investment-Banking. Außerdem könnten die Niederlassungen in Japan, Kanada, Australien und Indien geschlossen oder deutlich verkleinert werden.

Merrill Lynch teilte in einer kurzen Presseinformation mit, noch ließen sich die Kürzungspläne nicht in konkreten Kopfzahlen ausdrücken. Angesichts deutlich verfallender Umsätze müsse aber in jeder einzelnen Abteilung geprüft werden, ob sich der Personalstand halten lasse.

Dass die Zahl der Beschäftigten seit 1996 um 35 Prozent auf 68.200 gewachsen ist, bereitet Merrill-Chef O'Neal zunehmend Kopfschmerzen. Denn allein das lukrative Geschäft mit Beratungen für Firmenfusionskandidaten ist in diesem Jahr um 47 Prozent zurückgegangen, berichtet der Informationsdienst Bloomberg.

Die Terroranschläge vom 11. September haben die Krise vermutlich noch zusätzlich verschärft. Analysten rechnen daher damit, dass Merrill Lynch am Donnerstag beunruhigend schlechte Geschäftszahlen für das dritte Quartal bekannt geben muss. Nach ihren Schätzungen ist der Umsatz des Investmenthauses gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 56 Prozent zurückgegangen.



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