Metro Conradi muss gehen

Die graue Eminenz des Metro-Konzerns, Erwin Conradi, muss gehen. Er wird ersetzt durch Jan von Haeften, der die Verhandlungen für einen Verkauf an Wal-Mart führte.


Ende der Machtspiele: Erwin Conradi
DPA

Ende der Machtspiele: Erwin Conradi

Duisburg - Duisburg - Die drei originären Gesellschafterstämme der Metro AG, Köln, Otto Beisheim, Franz Haniel & Cie GmbH und Michael Schmidt-Ruthenbeck werden ihre Zusammenarbeit auf unbefristete Zeit weiter fortsetzen und halten an ihrem Engagement fest. Dies teilte die Metro am Montag mit, um Meldungen über "einen angeblichen Verkauf ihrer Beteiligungen" entgegenzutreten.

Um diesen Beschlüssen Nachdruck zu verleihen, werde Jan von Haeften, Präsident des Verwaltungsrates der Metro Holding AG und Vorsitzender des Aufsichtsrates der Franz Haniel & Cie, in den Metro-Aufsichtsrat eintreten. Erwin Conradi werde zum 1. August als Aufsichtsratsvorsitzender der Metro AG zurücktreten.

Conradi lege zum selben Zeitpunkt außerdem sein Mandat als Präsident der Generaldirektion der Metro Holding AG und als Geschäftsführer der Metro VVKG nieder. Conradi werde dem Unternehmen jedoch weiter verbunden bleiben und nach und nach für Otto Beisheim dessen Gesellschafterinteressen in den Organen der Metro Holding und Metro VVKG wahrnehmen.

Conradi ist der Metro seit rund 30 Jahren verbunden. Er gilt als Architekt des Handelskonzerns und hat sich auch als Aufsichtsrat immer wieder in das Tagesgeschäft eingemischt. In der letzten Zeit wurde bekannt, dass der Vorstandschef der Metro, Hans-Joachim Körber, von Conradi nahezu täglich schriftliche Anweisungen erhalten habe.

Auch die Gesellschafter der Metro glaubte Conradi lange Zeit gut im Griff zu haben. Es war kein Geheimnis, dass die Anteilseigner der Haniel-Gruppe nach der schwachen Performance der Metro-Aktie daran interessiert waren, ihre Finanzbeteiligung an dem Handelskonzern zu verkaufen.

Dem Aufsichtratschef der Haniel-Gruppe, Jan von Haeften, hatte Conradi einst den Job als Vorsitzender des Verwaltungsrates der Metro Holding beschafft, der mit einem hübschen Jahressalär von einer Million Schweizer Franken dotiert ist. Als Gegenleistung, so meint Conradi wohl, könne er schon ein bisschen Loyalität verlangen.

Doch hinter dem Rücken Conradis trat von Haeften als Verhandlungsführer für Sondierungsgespräche mit dem US-Konkurrenten Wal-Mart auf. Nun soll gerade er für die Eigenständigkeit der Metro eintreten.



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