mg-technologies Happel zerrt Vorstand vor Gericht

Der Streit zwischen Kajo Neukirchen, dem Vorstandchef von mg-technologies, und dem Großaktionär Otto Happel eskaliert. Nun will Happel vor Gericht eine weitere Überprüfung des Jahresabschlusses 1999/2000 erwirken.

Frankfurt/Main - Happels Anwalt Martin Sorg kündigte am Freitag während der Hauptversammlung von mg-technologies in Frankfurt an, er werde beim Landgericht Frankfurt eine entsprechende Prüfung beantragen. Damit wolle Happel nachweisen, dass der Vorstand die Bilanz zum Schaden der Anteilseigner manipuliert habe. Gegen die "ehrabschneidenden Behauptungen" des mg-Vorstandschefs Neukirchen über Happel sei schon eine einstweilige Verfügung erwirkt worden.

Für den nicht anwesenden Happel erhob Sorg, der bei der Stuttgarter Anwaltskanzlei Binz & Partner arbeitet, weitere persönliche Vorwürfe gegen Neukirchen: Verschleierung der wahren Lage des Konzerns, Desinformation der Aktionäre sowie ein Führungsstil, der Top-Manager reihenweise vergraule. Die vorgeschlagene Dividende von 0,26 Euro könne nur durch den Verkauf von Unternehmensteilen in Höhe von einer Milliarde Mark bezahlt werden. Die Behauptung der Bilanzfälschung stützt sich auf ein Gutachten von Professor Bernhard Pellens.

Vertreter von Kleinaktionären kritisierten, dass Happel seine Kritik nicht persönlich vortrug. Sie distanzierten sich von der Vorgehensweise Happels. Dieser habe anonym in den Medien eine "Schmutzkampagne" gegen die mg gestartet. Später habe Happel den Vorwurf der Bilanzfälschung erhoben, ohne dies mit substanziellen Fakten zu belegen.

Auch der Vorstand und Aufsichtsrat der mg warfen Happel vor, mit seiner "zerstörerischen Kritik" dem Unternehmen und dem Aktienkurs zu schaden. "Sie haben das Unternehmen, seine Mitarbeiter und vor allem die Aktionäre schwer geschädigt", kritisierte der Aufsichtsratsvorsitzende Helmut Werner.

Die Führungskräfte des Chemie- und Anlagenbaukonzerns wiesen sämtliche Vorwürfe der falschen Bilanzerstellung mit dem Hinweis auf das uneingeschränkte Testat der Prüfungsgesellschaft KPMG zurück. Darüber hinaus bestätige ein neues Gutachten von Professor Karlheinz Küting von der Universität Saarbrücken, "dass die Abschlüsse der mg den tatsächlichen wirtschaftlichen Status der Gesellschaft korrekt und transparent widerspiegeln."

Seinem Ziel, den Vorstandsvorsitzenden abzulösen, ist Happel, der einen Anteil von 10,3 Prozent hält, jedoch nicht näher gekommen. Denn bislang hat Neukirchen die Unterstützung der übrigen Großaktionäre. Die Deutsche und Dresdner Bank, Kuweit, Allianz und DaimlerChrysler bringen zusammen mehr als 30 Prozent der Anteile auf die Waage. Bei einer Präsenz auf der Hauptversammlung von etwa 63 Prozent des Kapitals bot dies dem streitbaren, aber auch umstrittenen Sanierer Kajo Neukirchen eine ausreichende Rückendeckung.

Die aktuelle Geschäftslage spielte auf der Hauptversammlung nur eine Nebenrolle. Der Vorstand ist zuversichtlich, auch im siebten Jahr in Folge den Gewinn steigern zu können.