Microsoft Verhandlungs-Poker um Bilanztricks

Microsoft-Manager verhandeln nach US-Medienberichten mit der Börsenaufsicht, um die Verhängung einer Geldstrafe zu verhindern. Die Kontrolleure verdächtigen den Softwarekonzern offenbar der Bilanzmanipulation - allerdings in einer sehr Microsoft-typischen Ausprägung.


Chef-Duo Ballmer und Gates: Wie kreativ war der Konzern bei der Buchführung?
REUTERS

Chef-Duo Ballmer und Gates: Wie kreativ war der Konzern bei der Buchführung?

Washington - Die Einigung zwischen dem Konzern und der Aufsichtsbehörde SEC könnte noch Wochen entfernt sein, berichtet das "Wall Street Journal" in seiner Online-Ausgabe. Schon jetzt aber zeichne sich ab, dass Microsoft wahrscheinlich keine Geldstrafe zahlen müsse. Wahrscheinlich werde die SEC jedoch im Rahmen der Einigung zivilrechtlich gegen Microsoft vorgehen - und den Konzern der unzureichenden Buchführung beschuldigen. Dies gelte aber als relativ unbedeutende Verfehlung, so das "Journal" weiter.

Wenn die Verdachtsmomente sich bewahrheiten, wäre Microsoft ein Bilanzsünder der ungewöhnlichen Art: Der hoch profitable Konzern soll seine Umsätze nämlich als zu niedrig ausgewiesen haben. Ihm wird vorgeworfen, in Zeiten sprunghaften Gewinnwachstums Rücklagen gebildet zu haben, um diese später nach und nach wieder in den Finanzbericht einfließen zu lassen. So soll Microsoft versucht haben, den Anforderungen der Wall Street nach einem kontinuierlichen Umsatz- und Ertragszuwachs gerecht zu werden. Microsoft bestreitet derartige Tricksereien: "Wir haben unsere Bilanz-Verantwortung sehr ernst genommen", zitiert die Zeitung einen Unternehmenssprecher.

Die SEC hat bereits 1999 eine erste Untersuchung gegen Microsoft eingeleitet. Die derzeitigen, offenbar intensiven Gespräche wären aber ein Indiz dafür, dass die Aufsichtsbehörde nach dem Enron-Bankrott ihre Gangart verschärft. Seit dem Zusammenbruch des Energieriesen hat die SEC unter anderem dem Kopierkonzern Xerox eine Buße von zehn Millionen Dollar auferlegt - in diesem Fall allerdings wegen "klassischer" Bilanztricks: Xerox soll in den Jahren 1997 bis 2000 zwei Milliarden mehr Umsatz ausgewiesen haben als gerechtfertigt war.



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