Miese Jahreszahlen Infineon macht mehr als drei Milliarden Euro Verlust

Der Halbleiterkonzern Infineon hat das Geschäftsjahr tief in den roten Zahlen beendet. Der Verlust beträgt mehr als drei Milliarden Euro. Für 2009 gibt das Dax-Unternehmen eine düstere Prognose - es fürchtet einen Umsatzrückgang von bis zu 15 Prozent.

München - Es war ein mieses Geschäftsjahr für Infineon. Im vierten Quartal hatte Infineon bereits 166 Millionen Euro an Lasten verbuchen müssen. Jetzt gab das Unternehmen seinen Jahresverlust bekannt: Insgesamt belief sich dieser auf 3,12 Milliarden Euro, wie das Dax-Unternehmen am Mittwoch in München mitteilte.

Insbesondere der Abbau von 3000 der 30.000 Stellen habe sich negativ niedergeschlagen. Im Vorjahreszeitraum hatte sich der Verlust noch auf 368 Millionen Euro summiert. Unter anderem die zum Verkauf stehende angeschlagene Tochter Qimonda belastete das Ergebnis erheblich. Deren Minus belief sich auf mehr als 1,3 Milliarden Euro.

Insgesamt steigerte Infineon im Geschäftsjahr 2008, das am 30. September endete, seinen Umsatz von 4,07 Milliarden auf 4,32 Milliarden Euro. Im vierten Quartal hätten vor allem die Krise in der Autoindustrie sowie die generelle Absatzschwäche dem Unternehmen zu schaffen gemacht.

Laut Infineon werden die Belastungen infolge der internationalen Finanzkrise und der weltweiten Absatzkrise vor allem bei den Autobauern die Konzernentwicklung auch im neuen Geschäftsjahr belasten. Für das laufende erste Quartal rechnet das Unternehmen mit einem weiteren Umsatzrückgang aus den fortgeführten Aktivitäten - unter anderem ohne Qimonda - von bis zu 30 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Für das Gesamtjahr 2009 schließt Infineon einen Umsatzrückgang von bis zu 15 Prozent nicht aus.

Der Halbleiterkonzern kündigte weitere Sparmaßnahmen an. Man habe "zusätzliche substantielle Einsparmöglichkeiten identifiziert", die über die bereits angekündigten 200 Millionen Euro bis Ende des Geschäftsjahres 2009 hinausgingen, teilte der Konzern mit. "Die zusätzlichen Einsparungen werden jedoch wahrscheinlich durch den gleichzeitigen Rückgang des Umsatzes mehr als ausgeglichen."

Im Fall des Chip-Herstellers Qimonda rechnet Infineon mittlerweile offenbar mit dem Schlimmsten. So gebe es "keine Sicherheit, dass Infineon bei der Veräußerung seiner verbleibenden Qimonda-Beteiligung erfolgreich sein wird". Infineon will sich angesichts der dramatischen Lage schon lange von der Tochter trennen, hat bisher aber keinen Käufer gefunden. Notfalls soll der 77,5-Prozent-Anteil bis zum Frühjahr durch Verschenken an die Aktionäre auf unter 50 Prozent gesenkt werden. Dann müsste Infineon den Speicherchiphersteller nicht mehr in seiner Bilanz konsolidieren.

Infineon sagte, man sei unsicher, ob Qimonda seine Verpflichtungen erfüllen und seine finanzielle Lage verbessern könne. Dadurch sei Infineon möglicherweise weitere erheblichen Verbindlichkeiten ausgesetzt. Dies schließe unter anderem laufende Kartell- und wertpapierrechtliche Verfahren sowie eventuelle Rückzahlung öffentlicher Fördermittel ein.

Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa wünscht Qimonda eine Bürgschaft vom Bund und vom Freistaat Sachsen in Höhe von 500 Millionen Euro. Entsprechende Verhandlungen mit den Regierungen laufen. Der Freistaat Sachsen könnte dem schwer angeschlagenen Speicherchiphersteller Qimonda bald beispringen. Am Montag teilte das Unternehmen zudem mit, Fortschritte bei Gesprächen mit Investoren zu machen. Der Vorstand gehe davon aus, dass sich die Verhandlungen konkretisieren und in den kommenden Wochen Ergebnisse veröffentlicht werden.

ssu/dpa-AFX/ddp/Reuters

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