Mieses Konsumklima Deutsche fürchten Einkommenskollaps

Trotz diverser Aufschwungsignale sehen die Bürger in Deutschland ihre eigene Lage immer noch mit Sorge. Die ohnehin geringe Neigung zum Konsum ist im laufenden Monat abermals drastisch zurückgegangen.


Berlin - Der viel beachtete Index der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) für das Verbrauchervertrauen sank auf 2,0 Punkte. Im Vormonat lag er noch bei 3,0. "Der Abwärtstrend beim Konsumklima scheint sich zu verfestigen", erläuterte GfK-Mitarbeiter Rolf Bürkl die monatliche Umfrage der Marktforschungsgruppe unter 2000 Personen in Ost und West. Die Diskussion um Hartz IV und die stark gestiegenen Ölpreise hätten die Furcht vor sinkendem Einkommen abermals verstärkt.

Discounter-Filiale mit Niedrigpreis-Werbung: Hoffnungen auf 2005 vertagt
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Discounter-Filiale mit Niedrigpreis-Werbung: Hoffnungen auf 2005 vertagt

Die GfK erwartet nun in diesem Jahr keinen Schub mehr beim Konsum. "Die Hoffnungen ruhen auf 2005, wenn sich die Arbeitsmarktlage nach den vorliegenden Prognosen verbessern sollte", sagte Bürkl. Die meisten Volkswirte gehen wie die Regierung davon aus, dass die deutsche Wirtschaft dank des starken Exports in diesem Jahr um 1,5 bis 2,0 Prozent wächst und 2005 auch mehr Arbeitsplätze schafft.

Allerdings blicken die Verbraucher weiter mit Skepsis auf die Wirtschaftsentwicklung. Der Indikator für die Konjunktureinschätzungen machte im August mit einem Anstieg von 2,1 Zählern auf minus 18,4 Punkte nur ein Viertel des dramatischen Einbruchs vom Juli wett.

Der Tankstellen-Schock und die Folgen

Ungünstige Vorzeichen für den Einzelhandel lieferten der GfK zufolge vor allem die Einkommenserwartungen. Dabei fürchteten besonders die Ostdeutschen um ihre Einkünfte, im Westen hätten die Einkommenserwartungen stagniert. Die Bereitschaft zu größeren Anschaffungen wie Fernsehern oder Autos ist im Westen kräftig gestiegen. Dieser Effekt wurde durch einen viel stärkeren Rückgang im Osten aber aus gesamtdeutscher Sicht wieder mehr als aufgehoben.

Besonders im Osten hätten offenbar die Pläne zur Arbeitsmarktreform ihre Spuren hinterlassen, da wegen der hohen Arbeitslosigkeit mehr Menschen betroffen seien und Angst vor Einkommenseinbußen hätten, sagte Bürkl. "Zudem haben die Verbraucher offenbar das Gefühl, dass die hohen Ölpreise Kaufkraft entziehen."

Viele Bürger fürchteten angesichts der Debatten um Standortverlagerungen wohl auch, dass sie bald auf bislang gewohnte Zahlungen wie Urlaubs- oder Weihnachtsgeld verzichten müssen.



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