Mieter kündigen Wird Lower Manhattan zur Einöde?

Wenige Wochen nach dem Terroranschlag auf das World Trade Center wollen viele Mieter in den umliegenden Gebäuden lieber heute als morgen ausziehen. Die Spannungen mit den Eigentümern verschärfen sich.


Keiner will mehr in der Nähe wohnen: Ruine des World Trade Centers
AP

Keiner will mehr in der Nähe wohnen: Ruine des World Trade Centers

New York - Auch in mehreren Verhandlungsrunden sind sich die Vertreter der Parteien noch keinen Schritt näher gekommen. Während die Mieter reklamieren, die Apartments und Büros seien unbewohnbar, sehen sich viele Vermieter nicht einmal in der Lage, die jeweilige Miete oder Leasingrate zu reduzieren.

Um einen Ausweg aus der Krise zu finden, hat der New Yorker Rechtsanwalt Jack Lester, der verschiedene Mietparteien vertritt, die Ernennung eines Schiedsmannes vorgeschlagen: "Ein Prozess würde nur Zeit und zusätzliches Geld kosten und außerdem das Trauma der Betroffenen nur verschlimmern", sagte Lester gegenüber dem "Wall Street Journal".

Ob allerdings ein Schiedsmann Lösungswege aus der Krise weisen kann, steht noch keineswegs fest. Denn nach Auskunft von Experten existiert für diesen Fall kein Präzedenzfall im amerikanischen Rechtssystem. Auch seien in den Verträgen keine Regelungen für den Fall eines Terrorangriffs enthalten.

Selbst wenn im Einzelfall in Leasingverträgen eine Ausstiegsklausel enthalten sein sollte, würde dies nur für Extremfälle gelten - etwa die völlige Unbewohnbarkeit des Gebäudes. Darauf könnten sich aber nur die Bewohner der Gebäude berufen, die durch den Einsturz des World Trade Center unmittelbar in Mitleidenschaft gezogen worden sind.

Im Übrigen, so der Verdacht von Sherwin Belkin als Vertreter der Hauseigentümer, ist das Argument der Unbewohnbarkeit in den meisten Fällen ohnehin nur vorgeschoben. "Die meisten Briefe, in denen sich Mieter auf die Unbewohnbarkeit ihrer Räume berufen, sind nur Variationen des Themas 'Ich will nicht länger in Lower Manhattan wohnen'", sagt der Rechtsanwalt.



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