Milchbauern in Not Aigner plant neuen Milch-Gipfel

Der Milchpreis fällt, der Protest der Bauern wächst, die Politik kommt unter Druck: Wegen der Sorgen der Milcherzeuger will Landwirtschaftsministerin Aigner einen erneutes Spitzentreffen einberufen. Bayerns Ministerpräsident Seehofer fordert gar, die Kanzlerin einzuschalten.


Düsseldorf/Berlin - Es gab ihn schon einmal, den Runden Tisch zur Milch - doch dieses Mal soll er erfolgreicher sein: Man wolle erreichen, "dass die Wettbewerbsfähigkeit und die Wertschöpfung in der Lebensmittelkette verbessert wird", sagte Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner der "Rheinischen Post". Dazu sei es wichtig, mit allen "Gliedern der Kette zu sprechen, vom Erzeuger über die Verarbeiter und dem Handel bis zum Endverbraucher", so die CSU-Politikerin weiter. Das Treffen soll am 28. April stattfinden.

Demonstrantin in Düsseldorf: Milchpreis liegt derzeit bei 25 Cent
DDP

Demonstrantin in Düsseldorf: Milchpreis liegt derzeit bei 25 Cent

Hintergrund des erneuten Spitzentreffens ist der anhaltende Verfall der Milchpreise. Aus Protest gegen die niedrigen Preise hat der Bundesverband Deutscher Milchviehalter (BDM) bereits für den Donnerstagabend im ganzen Bundesgebiet zu Protestaktionen vor Molkereien aufgerufen. Geplant seien Demonstrationen oder Mahnwachen mit Fackeln und Grablichtern bei etwa 80 Molkereien, sagte eine BDM-Sprecherin. So wollen sich Bauern etwa bei Weihenstephan in Freising, Campina in Köln und Nordmilch in Zeven versammeln.

BDM-Chef Romuald Schaber hatte bereits zuvor die Einberufung eines erneuten Milch-Krisengipfels und europaweit die Eindämmung der Milchproduktion gefordert. Die Milchquote müsse um zwei bis drei Prozent reduziert werden, sagte Schaber. "Es ist die Frage, ob die Ideologie - die Liberalität des Marktes - so wichtig ist, um alles aufs Spiel zu setzen."

"Die Situation ist dramatisch"

Zuletzt lag der Milchpreis bei etwa 25 Cent je Kilogramm und damit etwa 13 Cent niedriger als im Vorjahreszeitraum. Die Lage sei katastrophal, derzeit sinke der Milchpreis jeden Monat um etwa zwei Cent, sagte Schaber. Der BDM fordert zur kostendeckenden Produktion einen Preis von 40 Cent je Kilo Milch. Trotz des Preisverfalls hat die EU ab April eine Quotenerhöhung um ein Prozent beschlossen und will die Produktionsbeschränkung ab 2015 ganz abschaffen.

Bereits im Sommer des vergangenen Jahres hatte es bundesweit Proteste der Milchbauern gegen den rapiden Preisverfall bei der Milch gegeben. Der damalige Landwirtschaftsminister und heutige bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer hatte damals ebenfalls ein Spitzentreffen mit Bauern-, Molkerei- und Handelsvertretern einberufen - allerdings hatte das aus Sicht der Bauern zu keinem Ergebnis geführt.

Auch die bayerische Regierung forderte Bundeskanzlerin Angela Merkel auf, sich mit einem neuen nationalen Milchgipfel den Problemen der Milchbauern anzunehmen. "Die Situation ist tatsächlich dramatisch", sagte der bayerische Landwirtschaftsminister Helmut Brunner dem Bayerischen Rundfunk. "Ich fordere von der Bundeskanzlerin, dass sie diese Thematik zur Chefsache macht."

Liquiditätshilfen gefordert

Auch der stellvertretende Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes, Adalbert Kienle, forderte angesichts der "katastrophal existenzgefährdenden Situation der Milchbauern" ein Gegensteuern der Politik. Es seien Liquiditätshilfen nötig, damit die Landwirte "über die Runden kommen", sagte er am Donnerstag im ARD-Morgenmagazin. Zudem dürften die Direkthilfen der EU nicht erst zum Jahresende gezahlt werden, sondern müssten schon zur Jahresmitte an die Landwirte ausgegeben werden.

Zuvor hatte bereits Seehofer in einem Brief an Bundeskanzlerin Merkel einen nationalen Milch-Gipfel gefordert. Er begründete dies mit dem anhaltenden Verfall des Milchpreises und der dramatischen Lage vieler Milchbauern. Seehofer forderte, die deutschen Bauern zusätzlich zu den ab 2010 möglichen Hilfen im Rahmen des EU-Milchfonds auch auf nationaler Ebene zu unterstützen.

sam/AFP



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