Milliarden-Attacke Aventis will gegen feindliche Übernahme kämpfen

Der deutsch-französische Pharmakonzern Aventis hat angekündigt, sich gegen eine feindliche Übernahme durch den Konkurenten Sanofi-Synthelabo zur Wehr zu setzen. Die französische Regierung hatte dem Vorhaben bereits ihren Segen erteilt.


Pharmaproduktion bei Aventis: Goldman Sachs und Morgan Stanley sollen die Abwehr organisieren
DDP

Pharmaproduktion bei Aventis: Goldman Sachs und Morgan Stanley sollen die Abwehr organisieren

Straßburg - Die Offerte sei zu niedrig und daher nicht im Sinne der Aktionäre, teilte Aventis auf einer Pressekonferenz mit. Das Management sehe andere Möglichkeiten für die Unternehmenszukunft, die sozial und wirtschaftlich sinnvoller seien.

Das Management will nun dem Aufsichtsrat vorschlagen, das Angebot von Sanofi abzulehnen. Hierbei habe Aventis bereits die Unterstützung von Aufsichtsratschef Jürgen Dormann und dem Aufsichtsrat-Vize Jean-Rene Fourtou. Beide Manager wollen ebenfalls dem Gremium eine Ablehnung des Angebots empfehlen.

Die Börse setzte den Handel mit den Aktien beider Konzerne bis 15 Uhr aus. In Branchenkreisen hatte es geheißen, Aventis bereite einen Abwehrplan vor. Aus mit der Situation vertrauten Kreisen hatte es unlängst geheißen, der Konzern habe die Investmentbanken Goldman Sachs, Morgan Stanley Chart zeigen und Rothschild beauftragt, um mit ihrer Hilfe eine feindliche Übernahme abzuwehren.

Sanofi ist zwar nach Umsätzen nur halb so groß wie der Aventis Chart zeigen-Konzern. Der kleine Herausforderer aber macht das durch gesteigerte Aggressivität wett. Bei Analysten ist Sanofi auf Grund seiner hohen Gewinne sowieso beliebter als der Großkonzern Aventis, der 1998 aus der Fusion von Rhone-Poulenc und Hoechst hervorgegangen war. Dabei war die Hoechst-Chemiesparte abgespalten worden. Daraus entstand die Firma Celanese, die kürzlich von einem US-Unternehmen übernommen wurde.

Sanofi hatte sein feindliches Übernahmeangebot am Morgen bei der französische Börsenaufsicht gemeldet. Der kleinere Konzern bietet bisher 47,8 Milliarden Euro - eine Summe, die durchaus noch steigen könnte. Die Offerte umfasst eine Barkomponente, 81 Prozent des Preises soll aber in Aktien gezahlt werden.

Das Aktien-und-Bar-Angebot stellt einen Aufschlag von 3,6 Prozent auf den Aventis-Schlusskurs vom Freitag dar. Zum durchschnittlichen Kurs im vergangenen Monat beträgt der Aufschlag 15,2 Prozent. Laut Sanofi müssen mindestens 50 Prozent des ausgegebenen Kapitals und der Stimmrechte das Angebot annehmen.

Junge Aktien zur Finanzierung

Sollte die Übernahme zu Stande kommen, würde der Konzern nach eigenen Aussagen zur weltweiten Nummer drei nach Pfizer Chart zeigen und GlaxoSmithKline Chart zeigen und zur Nummer eins in Europa aufsteigen. Die Übernahme wäre für Sanofi ein beträchtlicher Brocken. Der Konzern will sich daher auf einer außerordentlichen Hauptversammlung die Ausgabe neuer Aktien für genehmigen lassen. Um welche Summen es konkret geht, und wann Sanofi die Hauptversammlung ansetzen will, wurde noch nicht bekannt. Der Konzern erhofft sich jährliche Einsparungen durch Synergieeffekte von 1,6 Milliarden Euro.

Auftritt des "Weißen Ritters"?

Sanofi-Zentrale: Aufstieg zur Pharma-Weltmacht geplant
AP

Sanofi-Zentrale: Aufstieg zur Pharma-Weltmacht geplant

Am Montag machten an den Börsen Gerüchte die Runde, der Schweizer Pharmakonzern Novartis Chart zeigen wolle als "weißer Ritter" in die Bresche springen und den Konzern vor einer feindlichen Übernahme bewahren. Am Markt wurden diese Gerüchte allerdings als wenig glaubhaft bezeichnet. Auch Aventis dementierte diese Gerüchte. Zugleich ließ der Konzern aber durchblicken, man habe besesere Optionen als einen Kauf durch Sanofi.

Größere kartellrechtliche Probleme sieht Sanofi durch den Zusammenschluss nicht. "Es wird auf jeden Fall Probleme geben ... aber sie werden sich sehr in Grenzen halten", sagte Sanofi-Chef Jean-Francois Dehecq am Montag.

Der Mineralölkonzern Total Fina ElfChart zeigen und der Kosmetikspezialist L'Oreal, zusammen mit 44 Prozent Hauptanteilseigner von Sanofi, unterstützen nach eigenen Angaben die Offerte.

L'Oreal kündigte an, nach einer erfolgreichen Übernahme den Sanofi-Gewinn künftig nicht mehr in der Bilanz auszuweisen, will seine Beteiligung aber nicht reduzieren. Bislang hatte dieser Posten etwa 25 Prozent des Nettogewinns ausgemacht. Der Konzern, der bislang noch mit 19,5 Prozent am Grundkapital und 27,9 Prozent an den Stimmrechten bei Sanofi beteiligt ist, würde nach Informationen aus Branchenkreisen 10 Prozent der neuen Firma kontrollieren.

Alptraum des Aventis-Chefs wird wahr

Total wiederum hatte schon seit mehreren Monaten angekündigt, sich von seiner Beteiligung an Sanofi trennen zu wollen, weil diese nicht zum Kerngeschäft passe. Derzeit hält der Ölkonzern noch 24,4 Prozent am Grundkapital und 34,8 Prozent der Stimmrechte.

Aventis ist vom Umsatz her zwar rund doppelt so groß wie Sanofi, der Börsenwert der beiden Unternehmen ist allerdings in etwa gleich hoch. Aventis zufolge ist das Unternehmen gemessen am Aktienkurs deutlich unterbewertet. Aventis-Chef Igor Landau hatte zudem in einem Zeitungsinterview gesagt, er glaube nicht an die Möglichkeit einer feindlichen Übernahme in der Pharmabranche.

In Deutschland nur Pharma-Zwerge

Nach Einschätzung von Branchenexperten wäre ein Zusammenschluss sinnvoll. Ein besseres Risikoprofil, Kosteneinsparungen, Synergien im Vertrieb sowie Größenvorteile im wichtigen US-Geschäft sind nur einige der Gründe, die nach deren Einschätzung für ein Zusammengehen sprechen. Das nun vorgelegte Angebot müsse aber nicht das letzte Wort sein. "Das ist ein Warnschuss vor den Bug. Das ist nicht notwendigerweise das endgültige Angebot", kommentierte Marc Booty, Pharmaanalyst bei der Commerzbank Chart zeigen in London.

Frankreichs Regierung steht der Schaffung eines französischen Pharmagiganten dagegen positiv gegenüber. Finanzminister Francis Mer sagte am Samstag, es wäre recht positiv, wenn Aventis und Sanofi sich zusammenschlössen. Die Regierung hofft offenbar, dass ein neuer französischer Global Player entsteht, der Pfizer Paroli bieten könnte. Deutsche Pharma-Konzerne wie Bayer, Schering, Merck KGaA und Boehringer Ingelheim beschränken sich darauf, als Nischenanbieter aktiv zu sein.

Die Übernahmeschlacht hat auch den deutschen Pharma-Titeln geholfen. Altana Chart zeigen und Schering Chart zeigen setztem sich mit einem Kursplus von rund einem Prozent an die Spitze der Gewinner im Dax.



© SPIEGEL ONLINE 2004
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.