Milliarden-Deal Gasprom übernimmt Ölkonzern Sibneft

Der russische Gasmonopolist Gasprom kauft für rund elf Milliarden Euro den Ölkonzern Sibneft. Damit baut der staatlich kontrollierte Gasgigant seine Stellung auf dem russischen Ölmarkt weiter aus.


Moskau - Es ist das bisher größte Geschäft der russischen Wirtschaftsgeschichte. Der vom Kreml kontrollierte Gaskonzern zahlt dafür rund 13 Milliarden Dollar (10,82 Milliarden Euro) und erwirbt so 72,6 Prozent am dem nach Lukoil, TNK-BP, Rosneft und Surgutneftegas fünfgrößten Ölkonzern des Landes. Im vergangenen Jahr förderte Sibneft insgesamt 34,04 Millionen Tonnen Öl.

Ölförderanlage von Sibneft: Kredite aus dem Westen
REUTERS

Ölförderanlage von Sibneft: Kredite aus dem Westen

Schon bisher hielt Gasprom einen kleineren Anteil an Sibneft, die Gesamtbeteiligung steigt nun auf insgesamt 75,68 Prozent. Zur Finanzierung des Kaufs soll Gasprom in den letzten Wochen bei westlichen Banken Kredite über zwölf Milliarden Dollar aufgenommen haben. Etwa die Hälfte davon kommt nach russischen Medienberichten von dem niederländischen Institut ABN Amro und der Dresdner Bank.

Sibneft war bisher mehrheitlich im Besitz der Holding Millhouse Capital des russischen Milliardärs Roman Abramowitsch. Abramowitsch ist Gouverneur der abgelegenen ostsibirischen Provinz Tschukotka und Eigner des britischen Ligaclubs Chelsea London. Er hat nun seine letzte wichtige Firma in Russland verkauft.

Kritiker werfen der Regierung von Präsident Wladimir Putin vor, über das Vehikel Gasprom den Anfang der neunziger Jahre privatisierten Energiesektor wieder verstaatlichen zu wollen. Der russische Staat will seinen Anteil an dem profitreichen Gas-Unternehmen bis Ende Dezember für 7,1 Milliarden US-Dollar um weitere zehn Prozent auf über 50 Prozent aufstocken.

Auch der Sibneft-Rivale Rosneft wird bereits vom Kreml kontrolliert. Rosneft hatte Ende vergangenen Jahres die wichtigste Fördertochter des größtenteils zerschlagenen privaten Ölkonzerns Jukos, Jukanskneftegas, übernommen. Eine Fusion zwischen Rosneft und Gasprom war allerdings an einem Streit zwischen beiden Unternehmen gescheitert. Nach dem Gasprom-Einstieg bei Sibneft lägen etwa 30 Prozent der russischen Ölproduktion wieder in staatlicher Hand.

Die Händler an der Börse in Moskau reagierten auf den Mega-Deal skeptisch. Der Kurs von Gasprom fiel um 1,2 Prozent, die Sibneft-Notierung sogar um 2,7 Prozent.



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