Milliarden-Merger AT&T will BellSouth schlucken

Elefantenhochzeit in der US-Telekombranche: Marktführer AT&T will den Wettbewerber BellSouth für 67 Milliarden Dollar schlucken. Die Nummer eins würde damit ihre Spitzenposition weiter ausbauen.


San Antonio/Atlanta - Wie die Unternehmen gestern Abend in Atlanta und San Antonio mitteilten, soll die Übernahme durch einen Aktientausch erfolgen. Das Gesamtvolumen soll bei 67 Milliarden Dollar liegen.

BellSouth-Aktionäre sollen 1,325 AT&T-Aktien je eigenen Anteil erhalten. Damit wird die BellSouth-Aktie mit 37,09 Dollar bewertet. Dies bedeutet ein Aufgeld von 17,9 Prozent gegenüber dem Freitags-Schlusskurs. Der Marktwert von BellSouth lag am Freitag bei rund 56,6 Milliarden Dollar, während AT&T auf rund 108,6 Milliarden Dollar kam. Die Transaktion muss von den Aktionären beider Unternehmen und den Aufsichtsbehörden genehmigt werden und soll innerhalb von zwölf Monaten erfolgen.

AT&T und BellSouth erhoffen sich aus dem Zusammenschluss Synergieeffekte in Höhe von 18 Milliarden Dollar. AT&T geht davon aus, dass diese ab dem Jahr 2008 bei zwei Milliarden Dollar jährlich liegen werden. Ab 2010 soll der Wert auf drei Milliarden Dollar pro Jahr steigen. Mit der Übernahme sichert sich AT&T auch die volle Kontrolle über die größte amerikanische Mobilfunkfirma Cingular Wireless, an der das Unternehmen bisher mit 60 Prozent und BellSouth mit 40 Prozent beteiligt waren.

Mächtiger Branchenprimus

AT&T wird mit einer Übernahme von BellSouth der mit Abstand größte US-Telekommunikationskonzern mit 70 Millionen Telefon-, knapp 10 Millionen Breitband- und 54,1 Millionen Mobilfunkkunden. Das Einzugsgebiet reicht von Kalifornien bis Florida. BellSouth ist im Südosten der USA präsent, und AT&T ist im Südwesten, Mittleren Westen und Westen des Landes stark vertreten.

Damit setzt sich der Fusionsreigen in der Branche fort. Die frühere Telekom-Gesellschaft SBC Communications hatte erst im November 2005 die alte AT&T für 16 Milliarden Dollar übernommen und deren weitaus bekannteren Firmennamen angenommen. Das Unternehmen wird von dem langjährigen SBC-Chef Edward E. Whitacre Jr. geführt, der den Konzern durch Serienkäufe kleiner und großer Konkurrenten bereits zum US-Branchenführer gemacht hatte.

Für Whiteacre ist der BellSouth-Kauf ein krönender Abschluss seiner Erfolgskarriere. "Die Transaktion verbindet zwei gut geführte Unternehmen", betonte er. BellSouth operiere in einer attraktiven Region mit wachsender Wirtschaft.

Telekommunikationsfachleute erwarten eine sorgfältige kartellrechtliche Prüfung, doch keine allzu großen Schwierigkeiten, da sich die Einzugsgebiete kaum überschneiden. Zudem haben sich die Kabelfernsehgesellschaften mit der Internet-Telefonie und ihren Breitband-Angeboten zu den Hauptkonkurrenten der Telefongesellschaften entwickelt und machen ihnen immer stärkere Konkurrenz.

suc/dpa-AFX



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