Milliarden-Rennen um UMTS-Lizenzen Eichel pokert mit

Nachdem immer mehr Unternehmen aus dem Milliardenpoker um die UMTS-Lizenzen aussteigen, will Finanzminister Hans Eichel nun offenbar die Notbremse ziehen. Es soll Pläne geben, weniger Lizenzen zu versteigern, um den Preis pro Lizenz in die Höhe zu treiben.

Hamburg/Berlin - Das Bundesfinanzministerium könnte weniger als die angekündigten vier bis sechs UMTS-Lizenzen zur Versteigerung freigeben, berichtet die "Financial Times Deutschland" unter Berufung auf einen engen Mitarbeiter von Finanzminister Eichel. Damit reagiere das Ministerium auf die sinkende Zahl von Bewerbern. Von ursprünglich 13 Unternehmen und Konsortien, die Ende Juli an der Versteigerung der Lizenzen teilnehmen wollten, haben inzwischen fünf ihre Bewerbung zurückgezogen.

Die Quelle im Finanzministerium sagte, man mache sich wegen der abnehmenden Bieterzahl noch keine Sorgen, wolle aber die Handlungsmöglichkeiten juristisch prüfen. Es wachse im Ministerium aber die Unsicherheit über die Höhe der erzielbaren Preise. Bisherige Schätzungen gingen von Einnahmen von 20 Milliarden Mark je Lizenz aus. Bei Vergabe der geplanten vier bis sechs Lizenzen kämen so Einnahmen von 80 bis 120 Milliarden Mark zusammen.

Durch den kleineren Bewerberkreis könnten sich zum Start der UMTS-Auktion nur noch sechs bis sieben von ursprünglich zwölf Bewerbern gegenüberstehen. Dabei sei auch nicht auszuschließen, dass die Versteigerung nur zwei bis fünf Milliarden Mark pro Lizenz einbringe.

Ein Sprecher des Finanzministeriums sagte, man halte an der zu versteigernden Zahl von bis zu sechs UMTS-Lizenzen fest. Im Haushalt seien dafür rund 20 Milliarden DM an Einnahmen vorgesehen. In Großbritannien hatte die Versteigerung von UMTS-Lizenzen im Frühjahr zu Einnahmen von umgerechnet rund 70 Milliarden DM geführt. Analysten hatten damals prognostiziert, dass die Einnahmen in Deutschland höher ausfallen dürften, da der deutsche Mobilfunkmarkt ein höheres Potenzial berge. Allerdings sind seit der Versteigerung in Großbritannien die Kurse von Telekom-Aktien teils um bis zu 50 Prozent gefallen. In der Branche und bei Analysten werden die möglichen hohen Lizenzgebühren und Netz-Investitionen als Risikofaktor gesehen.

Nach Angaben der "Wirtschaftswoche" will der US-Telefonriese WorldCom nach der Rücknahme seiner Bewerbung um eine UMTS-Lizenz in Deutschland mit der Swisscom eine Allianz bilden. Eine WorldCom-Sprecherin in Frankfurt sprach dagegen von Spekulationen, die das Unternehmen nicht kommentiere.

Die Tochtergesellschaft der Swisscom, die Stuttgarter Debitel AG, bewirbt sich um eine UMTS-Lizenz. Mit der Allianz im Rücken könnte Debitel, der im bevorstehenden Bietergefecht bislang keine hohen Chancen eingeräumt wurden, ihre Position wesentlich verbessern. Die Versteigerung beginnt am 31. Juli. Der neue Standard UMTS soll schon in wenigen Jahren die schnelle Datenübertragung und Multimedia über das Handy möglich machen.

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