Milliarden-Übernahme Umsturz in der Bierbranche

Bisher war der südafrikanische Brauereikonzern SAB in Europa und Amerika weitgehend unbekannt. Durch den Kauf des Konkurrenten Miller werden die Afrikaner jetzt weltweit zur Nummer zwei im Biergeschäft.


Her mit den fremden Flaschen: SAB-Chef Graham Mackay forciert die Expansion
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Her mit den fremden Flaschen: SAB-Chef Graham Mackay forciert die Expansion

Johannesburg/New York - 5,6 Milliarden US-Dollar wird South African Breweries (SAB) für die Übernahme von Miller Brewing zahlen, die eine Tochter des US-Konzerns Philip Morris ist. Philip Morris erhält Aktien im Wert von 3,6 Milliarden Dollar von SAB, außerdem übernimmt SAB Schulden in Höhe von zwei Milliarden Dollar.

SAB, bisher auf Platz fünf in der weltweiten Bierbrauer-Rangliste, gewinnt damit einen Zugang zum US-Biermarkt. Bisher ist SAB vor allem in Entwicklungsländern, in China und in Osteuropa gut positioniert. Nun fordern die Südafrikaner den Branchenprimus Anheuser Busch (Budweiser USA) heraus. Er hält einen Anteil von neun Prozent am Weltmarkt, SAB und Miller kommen gemeinsam auf acht Prozent. Die größten europäischen Konkurrenten Interbrew und Heineken folgen auf den Plätzen drei und vier, erreichen aber nur Marktanteile von sechs beziehungsweise fünf Prozent.

Philip Morris wird nach der Übernahme einen Kapitalanteil von 36 Prozent und einen Anteil der Stimmrechte von 24,99 Prozent am neu entstehenden Unternehmen SABMiller halten. Der US-Konzern betonte, dass man die Absicht habe, die Anteile langfristig zu halten. Man habe sich verpflichtet, keine Aktien vor dem 30. Juni 2005 zu verkaufen.

Philip Morris, zu dem neben Marlboro auch Kraft Foods gehört, hatte in jüngster Zeit wenig Freude an Miller. Das Schuldenproblem ist massiv, der Marktanteil ist stetig gefallen, während Anheuser Busch seine Führung weiter ausbaute. Das SAB-Management gilt in der Branche als wesentlich erfahrener als die Chefs von Miller. Weil Philip Morris der wichtigste Großaktionär bei SABMiller sein wird, profitiert auch der US-Konzern davon, wenn die Südafrikaner den Turnaround schaffen.



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