Milliarden-Übernahmeplan Börse straft Hypo Real Estate ab

Der Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate (HRE), bisher einer der weniger bekannten Titel im Dax, holt zum großen Coup aus: Für fast sechs Milliarden Euro will er die Depfa Bank übernehmen und damit zu einer der größten deutschen Banken aufsteigen. Analysten sind vom Sinn des Deals nicht überzeugt.


Hamburg/München - Für Hypo-Real-Estate-Vorstandschef Georg Funke gibt es keine Zweifel am Sinn seines Vorhabens. "Die strategische Logik der beiden Häuser ist überzeugend, sie liegt geradezu auf der Hand", sagte er in München zum Plan, die Depfa Bank zu schlucken. Die frühere Hypotheken-Sparte der Münchener HVB würde damit - noch vor dem zur Commerzbank Chart zeigen gehörenden Marktführer Eurohypo Chart zeigen - die Nummer eins in der Hypotheken-, Infrastruktur- und Staatsfinanzierung in Deutschland.

HRE-Chef Funke: "Strategische Logik"
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HRE-Chef Funke: "Strategische Logik"

Bei Analysten und an der Börse hagelte es allerdings Kritik an der größten innerdeutschen Bankenfusion seit der Übernahme der Dresdner Bank durch die Allianz Chart zeigen vor sechs Jahren. Die im Dax Chart zeigen notierte HRE-Aktie Chart zeigen brach in der Spitze um mehr als 6,50 Prozent ein. Die im MDax notierte Aktie der Depfa gewann 12,70 Prozent hinzu, blieb damit aber hinter dem rechnerischen Wert des Angebots zurück.

Die ehemalige HypoVereinsbank-Tochter will 5,7 Milliarden Euro für die Depfa zahlen und erhofft sich von der Übernahme den globalen Zugang zum lukrativen Geschäft mit Finanzierungen für die öffentliche Hand. Beide Seiten betonten, es handele sich um eine freundliche Übernahme, die von den Führungsgremien beider Banken unterstützt werde.

HRE wird keinen Bieterkampf mitmachen

Auf einen Bieterkampf will sich HRE-Chef Funke auf keinen Fall einlassen. "Wir werden in keine Auktion gehen, um Klartext zu reden", sagte er. Zwar sei ein Gegenangebot nicht auszuschließen, die vorliegende Offerte der HRE sei aber "fair für alle". Maßgebliche Aktionäre hätten bereits ihre Zustimmung zu dem Deal signalisiert, fügte Depfa-Chef Gerhard Bruckermann hinzu. Auch Analysten rechnen nicht mit einem Bieterwettkampf.

Zusammen erwirtschafteten beide Häuser 2006 einen Gewinn vor Steuern von 1,22 Milliarden Euro und kommen auf eine Bilanzsumme von 385 Milliarden Euro. Damit ist die neue Bank gut doppelt so groß wie die Postbank.

"Wir haben unsere Zweifel, ob dieser Deal strategisch sinnvoll ist", wandte LBBW-Experte Robert Mazzuoli ein. "Die Staatsfinanzierung ist ein margenschwaches Geschäft und die Synergien zur Immobilienfinanzierung sind auf die Refinanzierung beschränkt." Thomas Stögner von Sal. Oppenheim nannte die Ziele "sehr ambitioniert". Er stufte die HRE-Aktie um mehrere Stufen auf "Reduzieren" von "Stark kaufen" zurück. Kepler-Analyst Dirk Becker monierte, die Depfa habe im vergangenen Quartal erneut gezeigt, dass sie nicht in der Lage sei, Ertragswachstum zu liefern.

Ein neuer Name ist noch nicht gefunden

Angesichts der Verlagerung der Geschäftsaktivitäten will der Konzern auch seinen Namen ändern, der zurzeit den Fokus auf das Immobiliengeschäft (Real Estate) richtet. "Es muss ein Name sein, der wirklich Sinn macht", sagte Funke. Außer gewerblichen Immobilien wie Bürogebäuden oder Hotels will die Hypo Real Estate Chart zeigen zunehmend auch Infrastrukturprojekte wie Straßen oder Brücken finanzieren. Auch Krankenhäuser, Eisenbahnen oder Flugzeuge hatte Funke vor wenigen Monaten als Beispiele für mögliche Engagements genannt. Dabei dürfte dem Unternehmen die Übernahme der Depfa Bank mit Sitz in Irland zu Gute kommen. Sie ist nach eigenen Angaben die einzige Bank weltweit, deren Angebot sich ausschließlich an die öffentliche Hand richtet.

Hypo Real Estate will den Depfa-Aktionären 16,14 Euro je Aktie zahlen, das entspricht einem Aufpreis von rund 17 Prozent auf den Schlusskurs vom vergangenen Freitag. Bezahlt werden soll bar und in eigenen Aktien. Der Vereinbarung zwischen beiden Banken müssen auf einer außerordentlichen Hauptversammlung voraussichtlich im September 75 Prozent der Depfa-Aktionäre zustimmen. Depfa-Chef Gerhard Bruckermann zeigte sich zuversichtlich. "Es ist eine Transaktion, in der es nur Gewinner gibt", sagte er. Mit einem höheren Gegenangebot von einer anderen Bank rechnet er nicht.

Kein Stellenabbau geplant

Ein Stellenabbau nach der Übernahme ist nach Worten von Funke nicht geplant. Die Zahl der Mitarbeiter beider Häuser solle nach der Transaktion zunächst bei derzeit rund 2000 stabil bleiben und langfristig entsprechend dem Wachstum steigen. Von dem Zusammenschluss erhofft sich die Hypo Real Estate Chart zeigen aber auch ohne Stellenabbau deutliche Kosteneinsparungen von mindestens 60 Millionen Euro pro Jahr.

Der Vorstand der fusionierten Bank soll um zwei Depfa-Manager auf acht Mitglieder erweitert werden, den Vorsitz behält Funke. Depfa-Chef Gerhard Bruckermann wird den Plänen zufolge stellvertretender Aufsichtsratschef der HRE. Depfa-Vize Matthias Mosler scheidet aus.

Die Kosten für die Integration der Depfa Chart zeigen bezifferte die Hypo Real Estate mit rund 160 Millionen Euro. Diese würden sich zum Großteil noch in diesem Jahr auf das Ergebnis auswirken. Eine neue Gewinnprognose für 2007 gab das Unternehmen aber nicht ab. Im ersten Halbjahr steigerte die Hypo Real Estate den Gewinn nach Steuern um 28 Prozent auf 267 Millionen Euro. Bei der Depfa ging der Überschuss im zweiten Quartal hingegen von 140 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum auf 126 Millionen Euro zurück.

Die Ratingagentur Moody's sieht durch die geplante Übernahme der Depfa durch Hypo Real Estate (HRE) keinen Anlass für eine Änderung der Bonitätsnoten der beiden Banken. Die Analysten bestätigten am Montag ihre jeweiligen Ratings und den stabilen Ausblick für die Institute.

itz/mm.de/dpa/Reuters



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