Milliarden-Verluste WestLB-Chef Sengera zurückgetreten

Der Milliarden-Verlust von Deutschlands fünftgrößter Bank WestLB hat personelle Konsequenzen. Vorstandschef Jürgen Sengera trat am Montag von seinem Amt zurück.

Düsseldorf - Als Grund wurden unterschiedliche Auffassungen zur zukünftigen Geschäftspolitik der WestLB AG genannt. Einen Nachfolger gebe es derzeit noch nicht. Der Rücktritt sei im Einvernehmen erfolgt, hieß es weiter. Neben Sengera werde auch Andreas Seibert den Vorstand der Bank verlassen.

Sengera war in den vergangenen Wochen wegen der tiefroten Zahlen des Düsseldorfer Bankkonzerns in die Kritik geraten. Die WestLB hatte im Mai wegen millionenschwerer Abschreibungen überraschend einen Vorsteuerverlust für 2002 von rund 1,7 Milliarden Euro bekannt gegeben. Ende Februar war noch von einem Verlust in Höhe von rund einer Milliarde Euro ausgegangen worden.

Eine der Hauptverantwortlichen für das Debakel ist die britische Investmentbankerin Robin Saunders, die von Sengera gefördert worden war. Mit hochriskanten Geldanlagen wie beispielsweise bei dem britischen Fernseh-Verleiher Boxclever hatte sie bei der WestLB Abschreibungen in dreistelligen Millionenhöhe verursacht.

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hatte eine Sonderprüfung von Saunders-Geschäften eingeleitet, weil die WestLB-Bankerin für die Vermittlung von Krediten offenbar mit besonders günstigen Aktien der betreffenden Firmen belohnt worden war. Das Interesse der Prüfer galt auch der Frage, ob die Risikovorsorge für die teilweise hochriskanten Geschäfte von Saunders und die Kontrolle ihrer Tätigkeiten ausreichend war. Nach Angaben aus Branchenkreisen vom Freitag rügt der Bericht der BaFin das Vorgehen der Bank in der Risikoeinschätzung und -kontrolle.

Die WestLB ist seit Ende August 2002 eine 100-prozentige Tochter der Landesbank NRW, die wiederum zu 43,2 Prozent dem Land gehört. Jeweils 16,7 Prozent liegen beim Rheinischen sowie bei Westfälisch-Lippischen Sparkassen- und Giroverband. Weitere 11,7 Prozent halten jeweils der Landschaftsverband Rheinland und der Landschaftverband Westfalen-Lippe.