Milliardenbelastungen Kreditkrise - Chef der BayernLB muss gehen

Am Schluss war er nicht mehr zu halten: Der Chef der BayernLB, Werner Schmidt, hat seinen Rücktritt erklärt - milliardenschwere Fehlspekulationen in den USA kosten ihn das Amt. Die bayerische SPD will mehr und verlangt auch den Abgang von Finanzminister Huber.


München - Anfang März ist Schluss - dann nämlich soll der Rücktritt des Bankchefs offiziell wirksam werden. Danach übernimmt das bisherige Vorstandsmitglied Michael Kemmer die Führung der Landesbank. Der nicht ganz freiwillige Generationswechsel ist Ergebnis massiver Fehlspekulationen, in deren Zuge nicht nur die BayernLB selbst, sondern auch die Landesregierung in München unter Druck geraten waren.

Schmidt: Der Bankchef geht, der Finanzminister bleibt
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Schmidt: Der Bankchef geht, der Finanzminister bleibt

Die Entscheidung erfolgte bei einer Verwaltungsratsitzung der BayernLB am Mittag.

Am Schluss war alles ganz schnell gegangen. Schmidt, 64, hatte erst in der vergangenen Woche massive Belastungen eingeräumt. Wie andere Landesbanken hatte sich auch die BayernLB auf dem Markt für zweitklassigen US-Immobilienkredite (Subprime) verzockt. Insgesamt summierten sich die Belastungen auf 1,9 Milliarden Euro.

Schmidt war 2001 von der Landesbank Baden-Württemberg an die Spitze der BayernLB gewechselt. Durch den Verkauf von Beteiligungen, die Schließung von Niederlassungen im Ausland und in anderen Bundesländern hatte er die Landesbank wieder auf Erfolgskurs gebracht und ihr mit der Übernahme der österreichischen Hypo-Alpe-Adriabank im vergangenen Jahr Wachstumschancen in Südosteuropa eröffnet.

"Stehen wie die letzten Deppen da"

Viel Erfolg also, bis die Hypothekenkrise auch die BayernLB erreichte: Denn die Größenordnung der Belastungen kam für Finanzprofis zwar nicht überraschend - der Fall wurde in Bayern dennoch rasch zum Politikum. Denn Finanzminister Erwin Huber (CSU), der Vize im BayernLB-Verwaltungsrat, hatte noch unmittelbar vorher vor dem Haushaltsausschuss des Landtags erklärt, die BayernLB könne ihre Belastungen aus der Kreditkrise nicht beziffern. Am Wochenende hatte die BayernLB allerdings schon mitgeteilt, dass sie riskante US-Subprime-Anleihen in Höhe von vier Milliarden Euro hält.

Huber, Ministerpräsident Günther Beckstein und der bayerische Sparkassenpräsident Siegfried Naser hatten Schmidt darauf Überrumpelung und schlechte Kommunikation vorgeworfen. Aus dem Verwaltungsrat wurde der Satz zitiert: "Wir stehen jetzt wie die letzten Deppen da."

Der bayerische Oppositionsführer Franz Maget nahm Huber heute erneut in die Kritik und warf ihm "Lüge" vor. Der CSU-Chef habe den Landtag angelogen und müsse als Minister zurücktreten, sagte der SPD-Fraktionschef.

"Plumpes Wahlkampfmanöver"

Der Rücktritt von Schmidt sei nichts als ein "Bauernopfer", hieß es weiter. Huber solle schnellstmöglich Schmidts Beispiel folgen, sagte der stellvertretende Landeschef Thomas Beyer. "Dieser Schritt kann nicht von dem eklatanten Versagen der bayerischen Staatsregierung und von Finanzminister Huber im Verwaltungsrat der BayernLB ablenken." Der Rücktritt lasse auch darauf schließen, dass bei der Bank noch viel mehr unter der Decke gehalten werde, als bisher bekannt sei.

Die CSU hofft trotzdem, dass die Sache mit dem Rücktritt Schmidts ausgestanden ist. In einer CSU-Fraktionssitzung brandete Beifall auf, als die Nachricht bekannt wurde. Ministerpräsident Beckstein schloss einen Rücktritt Hubers aus. Die Rücktrittsforderungen der Opposition seien ein "plumpes Wahlkampfmanöver", sagte Beckstein am Rande der CSU- Fraktionssitzung im Landtag. "Jeder weiß, das es nicht der Finanzminister ist, der hier die Verantwortung trägt." Die BayernLB sei in die internationale Kreditkrise nicht so tief involviert wie andere Landesbanken.

Noch aber ist Huber nicht aus der Schusslinie: Um 17 Uhr ist im Landtag eine sogenannte "Ministerbefragung" zur BayernLB vorgesehen. Huber muss dann erneut auf die Fragen der Opposition antworten.

itz/sef/sam/dpa-AFX/Reuters/AP/dpa



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