Milliardendeal EADS will sich erneut für US-Tankerauftrag bewerben

EADS-Chef Gallois lässt sich nicht entmutigen: Nach der Aufforderung des US-Rechnungshofes an die Air Force, einen bereits an den europäischen Konzern erteilten Auftrag neu zu vergeben, will er sich erneut um den Deal bewerben. Damit geht der Kampf zwischen den Flugzeugrivalen in die nächste Runde.


Paris - Der europäische Luftfahrt- und Rüstungskonzern EADS will sich den milliardenschweren Auftrag der US-Luftwaffe für Tankflugzeuge nicht so schnell aus der Hand nehmen lassen. "Wenn es eine neue Ausschreibung gibt, werden wir uns daran beteiligen", sagte EADS-Chef Louis Gallois der Zeitung "La Tribune". Er sei von der Qualität des Angebots von EADS und seinem US-Partner Northrop Grumman überzeugt. Gallois sagte der Nachrichtenagentur Reuters, auch wenn das Vergabeverfahren neu aufgerollt werden sollte, bleibe der europäische Konzern ein qualitativ hochwertiger Wettbewerber.

EADS-Chef Gallois: "Wir bleiben ein qualitativ hochwertiger Wettbewerber"
AP

EADS-Chef Gallois: "Wir bleiben ein qualitativ hochwertiger Wettbewerber"

Ende Februar hatte die US-Luftwaffe den Zuschlag für die Lieferung von 179 neuen Tankflugzeugen überraschend nicht dem bisherigen Lieferanten Boeing erteilt. Der unterlegene US-Wettbewerber hatte nun am Mittwoch mit seinem Protest vor dem US-Rechnungshof gesiegt. Die Kontrollbehörde unterstützt den Einspruch Boeings und empfiehlt der US-Luftwaffe, das Verfahren für den Auftrag im Wert von fast 40 Milliarden Dollar erneut zu beginnen. Der Gesamtwert des Pentagon-Auftrages summiert sich auch durch Serviceleistungen über die volle Betriebsdauer sogar auf über hundert Milliarden Dollar.

Der Rechnungshof befand, dass bei der Vergabe des Flugzeugtanker-Auftrags eine Reihe schwerer Fehler begangen worden seien. In einer rechtlich nicht verbindlichen Empfehlung schlug die Behörde ein neues Vergabeverfahren vor und forderte die Air Force auf, neue Gebote einzuholen. Auch aus dem US-Kongress wurden Stimmen nach einer komplett neuen Ausschreibung laut.

Der traditionell heftige Streit der Rivalen EADS und Boeing mit stets auch politischen Dimensionen geht damit in eine neue Runde.

Die Luftwaffe steht nun unter extrem hohem öffentlichen Erwartungsdruck, die Vergabe neu aufzurollen. Der Rechnungshof hatte bereits bei früheren Prüfungen in einigen Fällen Neuausschreibungen bewirkt.

kaz/dpa/Reuters



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