Milliardendeal Post-Chef wehrt sich gegen Kritik an Postbank-Verkauf

Börsianer kritisieren den Postbank-Deal, weil er während eines Kurstiefs mitten in der Finanzmarktkrise über die Bühne ging. Im Gespräch mit dem SPIEGEL verteidigt Post-Chef Appel den Teilverkauf an die Deutsche Bank - und verspricht seinen Aktionären einen finanziellen Nutzen.

Hamburg - "Die Finanzkrise ist nicht ausgestanden, das zeigen die jüngsten Entwicklungen in den USA", sagte Post-Chef Frank Appel im SPIEGEL-Gespräch. "Hätte ich den ganzen Prozess wieder abblasen und zwei Jahre warten sollen, bis die Krise vorbei ist? Das hätte doch keiner geglaubt." Jetzt habe die Deutsche Post   einen Abschluss erzielt, "auf den ich sehr stolz bin."

Mit dem Verkauf von zunächst 29,75 Prozent der Postbank-Aktien an die Deutsche Bank für rund 2,8 Milliarden Euro in bar sei für die Aktionäre ein "hervorragendes Ergebnis" erzielt worden. Die Deutsche Bank zahlt 57,25 Euro pro Aktie. Anfang Juni lag der Kurs an der Börse noch bei mehr als 60 Euro, bis Freitag fiel er auf 42,90 Euro.

Appel sagte dem SPIEGEL, er wolle seine Aktionäre bei der Verteilung der Einnahmen aus dem Postbank-Verkauf berücksichtigen. Die Post werde in den nächsten Monaten darüber entscheiden, wie das Geld verwendet werden solle. "Aber natürlich werden wir auch die Aktionärsinteressen dabei berücksichtigen", sagte er. Ein weiterer Teil des Geldes solle für das künftige Wachstum der Post genutzt werden. Dabei schloss Appel jedoch ausdrücklich Großkäufe aus.

Die Prinzipien der Kooperation zwischen Postbank   und der Deutschen Bank   regelt ein Rahmenvertrag, die Details müssen noch ausgehandelt werden. Die Deutsche Bank will die Mitarbeiter der Postbank für den Vertrieb ihrer Fonds und Zertifikate schulen sowie neue Vorsorgekonzepte lancieren. Die Postbank bietet ihrem neuen Großaktionär eine moderne Abwicklungsplattform für dessen Privatkundengeschäft.

Aktionärsschützer lobten den Einstieg der Deutschen Bank bei der Postbank. Das größte deutsche Geldhaus "hat die Chance ergriffen, sich im Privatkundengeschäft klar zu positionieren", sagte DSW-Geschäftsführer Carsten Heise der Nachrichtenagentur dpa.

Dass die Deutsche Bank zunächst nur 29,75 Prozent an der Postbank erwerbe, sei nicht überraschend. Er gehe davon aus, dass die Deutsche Bank ihre Anteile mittelfristig bei einem entsprechenden Kapitalmarktumfeld aufstocken werde. Heise sagte: "Wer A sagt, muss auch B sagen." Die Postbank ist mit mehr als 14 Millionen Kunden die größte deutsche Privatkundenbank.

kaz/dpa