Milliardengeschäft Ölkonzerne drängen in den Irak

Historische Entscheidung im Irak: Die Regierung will wieder ausländische Ölkonzerne ins Land lassen. Die Großen der Branche stehen bereit - um eines der größten Ölvorkommen der Welt auszubeuten.


Arbeiter einer irakischen Raffinerie: Eines der größten Rohölvorkommen der Welt
REUTERS

Arbeiter einer irakischen Raffinerie: Eines der größten Rohölvorkommen der Welt

Bagdad - Mehr als drei Jahrzehnte waren sie weg - jetzt könnte der Tag ihrer Rückkehr anstehen. Der Irak will ausländische Ölkonzerne wieder ins Land lassen. Dem "Wall Street Journal" zufolge sollen die ersten Verträge schon Ende des Monats unterzeichnet werden. Es wäre das erste Mal seit dem Einmarsch von US-Truppen in den Irak im Jahr 2003.

Am 29. und 30. Juni sollen nach Plänen des irakischen Ölministers Hussein al-Scharistani Aufträge dann per Auktion vergeben werden. Rund 120 Firmen haben sich nach Angaben des Ministeriums angemeldet. Qualifizieren konnten sich schließlich aber nur rund 35 - darunter auch Exxon Mobil Chart zeigen, Royal Dutch Shell, Lukoil Chart zeigen und China Petroleum. Wie die Auktion genau ablaufen soll, wurde nicht bekannt.

Bei den Verträgen handelt es sich dem Zeitungsbericht zufolge nicht um Ölkonzessionen, sondern um technische Dienstleistungsabkommen. Der Irak will seine Ölförderung langfristig von heute 2,4 Millionen Barrel pro Tag auf vier Millionen steigern - und dabei das technische Know-How des Westens für sich nutzen. Weil es sich dabei um langfristige Investitionen handelt, sind die Verträge auf 20 Jahre angelegt.

Parlamentarierer mit Plänen nicht einverstanden

Für die großen Ölfirmen ist die neue Öffnung eine lang erhoffte Chance. Sie warten seit Jahren darauf, in den Irak zurückkehren zu dürfen. Unter Saddam Hussein war die Ölindustrie in den siebziger Jahren verstaatlicht worden, ausländische Firmen mussten damals das Land verlassen. Nach dem Krieg scheiterten mehrere Versuche, neue Kooperationen anzubahnen.

Jetzt hoffen die westlichen Konzerne auf ein Comeback - und auf ein großes Geschäft: Immerhin wird im Irak mit 115 Milliarden Barrel Rohöl eines der größten Vorkommen der Welt vermutet. Um an die Reserven zu kommen, nehmen die Firmen selbst die gesetzlichen Beschränkungen und die nach wie vor instabile Sicherheitslage in Kauf.

Allerdings ist die Rückkehr in den Irak noch nicht vollkommen sicher. Einige Parlamentarier in Bagdad und auch Teile der irakischen Bevölkerung fürchten, die Kontrolle über die großen Ölreserven des Landes zu verlieren, wenn die Ausländer kommen. In den vergangenen Wochen regte sich im Parlament daher Widerstand gegen die Pläne des Ölministers. Dieser allerdings weist die Kritik zurück - die Verträge müssten nicht vom Parlament gebilligt werden. Die Auktion könne stattfinden.

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