Milliardeninvestition Börsianer feiern Buffetts Einstieg bei Goldman Sachs

Warren Buffett investiert im großen Stil bei der Investmentbank Goldman Sachs und wird dafür von Analysten gefeiert, als Heilsbringer gepriesen. Das Manöver wird als Vertrauensbeweis für den angelsächsischen Turbokapitalismus gedeutet - der Aktienkurs steigt.


New York - Goldman Sachs bekommt prominente Hilfe: Der Multimilliardär Warren Buffett steigt mit mindestens fünf Milliarden Dollar bei der größten US-Investmentbank ein. Und er überschüttet sie mit Lob: Goldman sei ein außergewöhnliches Institut. Es verfüge über ein bewährtes und scharfsinniges Management-Team und das intellektuelle und finanzielle Kapital, um seine Erfolgsgeschichte einer überdurchschnittlichen Kursentwicklung fortzusetzen, sagte Buffett.

Investor Buffett: "Alle folgen einfach nur Gott - Buffett zeigt den Weg"
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Investor Buffett: "Alle folgen einfach nur Gott - Buffett zeigt den Weg"

Die gebeutelte US-Investmentbank kann das Lob derzeit gut gebrauchen. Es schien, als wäre das Vertrauen der Anleger in das Konzept der Investmentbanken endgültig verloren. Seit Anfang des Jahres ist der Goldman-Aktienkurs ins Bodenlose gestürzt. Die Investmentbank büßte binnen Monaten fast 70 Prozent ihres Börsenwerts ein.

Andere große Investmentbanken der Wall Street erlitten sogar ein noch schlimmeres Schicksal: Bear Stearns Chart zeigen und Merrill Lynch Chart zeigen wurden gekauft, Lehman Brothers ging sogar pleite.

Jetzt, nach Bekanntgabe des Buffett-Einstiegs, schnellte der Goldman-Kurs vorbörslich um mehr als fünf Prozent in die Höhe. Und das Lob mancher Analysten könnte schwülstiger nicht sein: Michael Holland von Holland & Co. nannte den Einstieg einen "vergoldeten Vertrauensbeweis". Francis Lun von Fulbright Securities in Hongkong sieht in Buffett gar eine Art Heilsbringer: "Alle folgen einfach nur Gott - Warren Buffett zeigt den Weg", schalmeit der Broker.

Buffett ist "Forbes" zufolge der zweitreichste Mensch der Welt. Als Geschäftsmann genießt er einen ausgezeichneten Ruf. Der 78-Jährige gilt bei den Aktionären von Berkshire Hathaway wegen seines Gespürs für lukrative Investments als "Orakel von Omaha", in Anspielung auf den Sitz seiner Holding im US-Bundesstaat Nebraska. Berkshire hatte nach letzten Pflichtmitteilungen ein Fondsvolumen von 278 Milliarden Dollar. Buffett ist mit seiner Investmentgesellschaft bereits an sechs großen US-Banken beteiligt.

Nun will Berkshire Goldman-Vorzugsaktien im Wert von fünf Milliarden Dollar erwerben, teilte die Investmentbank mit. Zudem erhalte die Gesellschaft eine fünf Jahre gültige Option, weitere Aktien im Wert von fünf Milliarden Dollar zum Preis von je 115 Dollar zu kaufen.

Für Marktbeobachter hat Buffett mit seinem Einstieg einen günstigen Zeitpunkt gewählt. Er kommt kurz nach der moralischen Bankrotterklärung ihres Systems. Zu Beginn der Woche hatte die US-Notenbank Fed zugestimmt, die zwei letzten großen US-Investmentbanken Goldman Sachs und Morgan Stanley in Geschäftsbanken umzuwandeln.

Die Finanzkrise beendet damit die Geschichte der großen unabhängigen Investmentbanken der Wall Street in ihrer bisherigen Form. Investmentbanken sind Spezialisten für lukrative Wertpapiergeschäfte aller Art sowie für Fusionen und Übernahmen von Firmen. Unter hohen Risiken erzielten sie oft enorme Gewinne, mit der Kreditkrise stürzten sie in große Schwierigkeiten, die meisten erlitten Milliardenverluste.

Nun bekommt Goldman Sachs gewichtigen Zuspruch - und, noch wichtiger, eine nicht unbeträchtliche Kapitalspritze. Neben Buffetts fünf Milliarden will Goldman Sachs über die Ausgabe neuer Aktien zusätzlich bis zu 2,5 Milliarden Dollar erlösen.

Japanischen Medienberichten zufolge erwägt obendrein die japanische Bank Sumitomo Mitsui Financial Group bei Goldman Sachs einzusteigen. SMFG dementiert die Berichte allerdings bislang.

Es wäre bereits das dritte Investment einer japanischen Bank auf dem US-Markt in dieser Woche. Zuvor wurde bekannt, dass die japanische Bank Mitsubishi UFJ Financial Group (MUFG) mit einem Anteil von bis zu 20 Prozent bei der angeschlagenen US-Investmentbank Morgan Stanley einsteigt. Und Nomura, Japans größtes Brokerhaus, kauft weitere Teile des zusammengebrochenen US-Geldhauses Lehman Brothers.

ssu/AP/dpa-AFX/Reuters

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