Milliardenkredite für Autobauer VW-Chef kritisiert französische Staatshilfen

Noch mal 30 Milliarden Dollar, so viel Geld fordern US-Autokonzerne und Zulieferer von der Regierung. Frankreichs Staatspräsident will Hersteller mit billigen Krediten im Land halten. VW-Chef Winterkorn stellt sich gegen solche Maßnahmen, fürchtet nationalen Protektionismus.


Der Volkswagen-Vorstandsvorsitzende Martin Winterkorn hat die geplanten Hilfen für die französische Automobilindustrie kritisiert. Es sei "niemandem geholfen, weder Beschäftigten und Unternehmen, noch den Kunden, wenn der Protektionismus der französischen Agrarpolitik jetzt auf den Automobilbereich übertragen" würde, sagte Winterkorn dem SPIEGEL. Europa habe vom freien Austausch von Waren und Dienstleistungen profitiert. Alles andere sei "ein großer Rückschritt mit fatalen Folgen".

Citroën-Neuwagenlager bei einer Fabrik in Aulnay sous Bois: Frankreichs Staatspräsident will französische Autobauer mit Milliardenkrediten im Land halten
AP

Citroën-Neuwagenlager bei einer Fabrik in Aulnay sous Bois: Frankreichs Staatspräsident will französische Autobauer mit Milliardenkrediten im Land halten

Der Grund für Winterkorns Kritik ist, dass der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy den Konzernen PSA Peugeot Citroën und Renault Kredite über insgesamt sechs Milliarden Euro zu günstigen Zinssätzen zur Verfügung stellen will. Zudem wurden beiden Unternehmen im Rahmen eines Generalplans neue Kreditlinien in Aussicht gestellt, um den Niedergang der französischen Automobilindustrie aufzuhalten. Die Regierung knüpfte ihre Hilfen an Bedingungen. Unter anderem sollen die Autobauer eine maßvolle Dividendenpolitik betreiben.

In den USA will der Opel-Mutterkonzern General Motors die US-Regierung unterdessen um weitere Milliardenkredite bitten, berichtet das "Wall Street Journal" am Samstag unter Berufung auf informierte Personen. Fließe kein Geld vom Staat, drohe dem größten US-Autobauer trotz bisher gewährter Kredite von 13,4 Milliarden Dollar (10,4 Milliarden Euro) die Insolvenz. Das US-Finanzministerium schätze, dass General Motors (GM) mindestens fünf Milliarden Dollar mehr brauche, um zumindest das erste Quartal des Jahres zu überstehen.

GM und der Konkurrent Chrysler, die Ende vergangenen Jahres staatliche Kredite von insgesamt mehr als 17 Milliarden Dollar (13,2 Milliarden Euro) angenommen haben, müssen am kommenden Dienstag ein ausführliches Sanierungskonzept vorlegen. Die Regierung will dann entscheiden, ob sie weitere Unterstützungszahlungen gewährt. Von den Plänen werden weitere Werksschließungen und massiver Stellenabbau erwartet. Unsicher ist nach Angaben der Zeitung noch, ob GM das Konzept überhaupt rechtzeitig vorlegen kann, da noch Verhandlungen mit Gewerkschaften und Investoren laufen. Chrysler ging in den vergangenen Wochen eine Allianz mit Fiat ein und will dem Vernehmen nach um weitere drei Milliarden Dollar bitten.

Bereits am Freitag haben zwei Vereinigungen von US-Autozulieferern staatliche Nothilfekredite in zweistelliger Milliardenhöhe beantragt. Der Finanzbedarf könne sich auf 25,5 Milliarden Dollar (knapp 20 Milliarden Euro) summieren, erklärte ein Sprecher des Zulieferer-Verbandes Original Equipment Suppliers Association (OESA), der zusammen mit der Vereinigung Motor and Equipment Manufacturers Association (MEMA) einen Antrag auf Nothilfe beim US-Finanzministerium stellte. In den beiden Verbänden sind rund 400 US-Autozulieferer organisiert.

Diese Zulieferer leiden nun zusehends unter den Absatzproblemen der Autobauer. GM-Chef Rick Wagner hat dem "Wall Street Journal" zufolge stets gewarnt, Autofahrer würden keine Fahrzeuge eines insolventen Unternehmens kaufen, und somit würde ein Insolvenzverfahren das Ende für den Autobauer bedeuten. Trotzdem ziehe der GM-Konzern, der ein solches Verfahren lange Zeit strikt abgelehnt hatte, diese Option nun immer stärker in Erwägung, heißt es der Zeitung. Die US-Regierung befürchtet, ein solcher Schritt könnte mehrere hunderttausend Arbeitsplätze bei dem Hersteller und seinen Zulieferern vernichten.

mak/ddp/AP/dpa



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Frank Wagner, 05.02.2009
1.
Und wieder ein extremes Beispiel für die Doppelzüngigkeit des Westens. Da wurde über Jahrzehnte der Freihandel als allein selig machendes Modell mit großem Druck in die letzte Ecke der Welt getrieben, Millionen von Menschen und ganze Länder dafü ins Elende getrieben und nun wo das Pendel zurück schlägt soll all das nicht mehr gelten ? Das wir der Glaubwürdigkeit des Westens und besonders der USA einen weiteren schweren Schlag versetzten. Die Frage ist, ob wir es uns heute noch leisten können es uns mit Staaten wie China, Indien und Co auf diese Weise zu verscherzen.
Der Pragmatist 05.02.2009
2. Die Depression, der Wunsch der Linken
Zitat von sysopAngesichts der schweren Wirtschaftskrise denken Staaten weltweit über die Abschottung ihrer Märkte nach. Heimische Unternehmen und Arbeitsplätze sollen so geschützt werden. Kann der Wirtschafstpatriotismus die Konjunkturprobleme lösen?
Der erste Schritt zur weltweiten Depression! Die Globalisierung der letzten Jahre hat viele Millionen Menschen aus bitterer Armut in ein fast ertraegliches Leben befoerdert. Natuerlich goennen die ewig Linken, die immer gegen die Globalisierung hetzten, es diesen armen Menschen in Asien und Latainamerika nicht, das sie ploetzlich zum ersten Male in ihrem Leben etwas Geld in der Tasche haben.
Volker Gretz, 05.02.2009
3.
Zitat von Frank WagnerUnd wieder ein extremes Beispiel für die Doppelzüngigkeit des Westens. Da wurde über Jahrzehnte der Freihandel als allein selig machendes Modell mit großem Druck in die letzte Ecke der Welt getrieben, Millionen von Menschen und ganze Länder dafü ins Elende getrieben und nun wo das Pendel zurück schlägt soll all das nicht mehr gelten ? Das wir der Glaubwürdigkeit des Westens und besonders der USA einen weiteren schweren Schlag versetzten. Die Frage ist, ob wir es uns heute noch leisten können es uns mit Staaten wie China, Indien und Co auf diese Weise zu verscherzen.
Aber China macht doch genau das. Sie können dort nur etwas verlaufen, wenn sie einen bestimmten Prozentsatz dort auch herstellen.
Pinarello, 05.02.2009
4.
Zitat von Der PragmatistDer erste Schritt zur weltweiten Depression! Die Globalisierung der letzten Jahre hat viele Millionen Menschen aus bitterer Armut in ein fast ertraegliches Leben befoerdert. Natuerlich goennen die ewig Linken, die immer gegen die Globalisierung hetzten, es diesen armen Menschen in Asien und Latainamerika nicht, das sie ploetzlich zum ersten Male in ihrem Leben etwas Geld in der Tasche haben.
Ach so, der neue "Messias" Barak Obama ist demnach ein ewig Linker und Globalisierungsgegner. Sieh an sieh an, wer hätte das vom Messias gedacht? Übrigens, die armen Menschen in Asien und Lateinamerika sind immer noch arm, es wurden nur die paar Reichen noch unermeßlich reicher, siehe China die systematische Ausbeutung der rund 200 Mio Wanderarbeiter, die Vorfälle mit den Sklavenarbeitern in den Ziegeleien ist ja noch bekannt, wurde wohl nur beendet weil die Olympischen Spiele in Peking vor der Tür standen. Da geht es den normalen Menschen in Deutschland ja nicht anders, auch hier wurden die Menschen immer ärmer, siehe Agenda 2010 und Lohndumping der lezten 10-15 Jahren, Ergebnis: die stärkste Volkswirtschaft Europas ist seit 10 Jahren nichtin der Lage, eine stabile Binnenkonjunktur aufzubauen, was die 40 Jahre vorher der Fall war. Allerdings die Reichen wurden noch reicher, die hatten genug Geld um es im internationalem Finanzkarusell zu verballern, die Rechnung zahlt jetzt wieder, richtig der arme Bürger mit seinen Steuern und rapider Geldentwertung.
katastrophen_michel 05.02.2009
5.
Zitat von Der PragmatistDer erste Schritt zur weltweiten Depression! Die Globalisierung der letzten Jahre hat viele Millionen Menschen aus bitterer Armut in ein fast ertraegliches Leben befoerdert. Natuerlich goennen die ewig Linken, die immer gegen die Globalisierung hetzten, es diesen armen Menschen in Asien und Latainamerika nicht, das sie ploetzlich zum ersten Male in ihrem Leben etwas Geld in der Tasche haben.
Genau, darum geht die Schere zwischen reich und arm auch immer weiter auseinander, besonders in den von Ihnen zitierten Regionen. Wenn Sie natürlich einen Farbfernseher als eine besondere Errungenschaft ansehen, meinen Glückwunsch. Globalisierung ja, aber bitte für alle. http://www.youtube.com/watch?v=6E6M3Wsyhro Nehmen Sie mir es bitte nicht übel, aber der Name Realitätsverlust würde meiner Meinung nach besser zu Ihnen passen.
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