Milliardenplan Europäische Regierungen planen riesiges Ökostromnetz

30-Milliarden-Euro-Projekt für den Klimaschutz: Deutschland und acht weitere Staaten planen laut einem Zeitungsbericht ein Hightech-Netz für Ökostrom. Es soll Schwankungen zwischen Wind-, Wasser- und Sonnenkraft ausgleichen - und grüne Energie von der Nordsee bis weit in den Kontinent hinein bringen.
Milliardenplan: Europäische Regierungen planen riesiges Ökostromnetz

Milliardenplan: Europäische Regierungen planen riesiges Ökostromnetz

Foto: Jorgen True/ AFP

München - Neun europäische Länder wollen einem Zeitungsbericht zufolge den Ausbau erneuerbarer Energien mit einem Milliardenprojekt in der Nordsee vorantreiben. Die "Süddeutsche Zeitung" berichtet unter Berufung auf Regierungsinsider, dass mehrere Nordsee-Anrainer ihre Ökostromprojekte vereinen und dazu ein gemeinsames Hightech-Stromnetz schaffen wollen - auch Deutschland werde sich beteiligen.

Das Netz soll dem Bericht zufolge Europas Wind-, Sonnen- und Wellenkraftwerke bündeln. Binnen zehn Jahren könnten demnach Tausende Kilometer Hightech-Kabel Windstrom in weite Teile Europas liefern. Die Kosten könnten Experten zufolge bei bis zu 30 Milliarden Euro liegen.

Den Informationen zufolge sollen Hochspannungs-Unterseekabel in der Nordsee Windparks auf hoher See vor der deutschen und britischen Küste mit Wasserkraftwerken in Norwegen, Gezeitenmeilern an der belgischen und dänischen Küste sowie Wind- und Solaranlagen auf dem europäischen Festland verbinden.

Zu den Gründern der Initiative zählen laut "Süddeutscher Zeitung" Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Belgien, Dänemark, die Niederlande, Irland, Luxemburg und Norwegen. Schon im Dezember hätten Vertreter dieser Länder in Irland eine eingehende Zusammenarbeit beschlossen.

Nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums solle die Initiative noch in diesem Monat mit ersten Treffen von Arbeitsgruppen starten, berichtet die Zeitung. Im ersten Quartal 2010 solle dann ein "höherrangiges Treffen" folgen, wird ein Ministeriumssprecher zitiert. Bis zum Herbst wollen die beteiligten Regierungen demnach eine Absichtserklärung unterzeichnen und einen Zeitplan für die Realisierung des Projekts erarbeiten.

Den größten Teil der Kosten solle die Wirtschaft tragen. Deshalb sollten auch führende europäische Energieversorger und Netzbetreiber an den Verhandlungen teilnehmen. Ein erstes Treffen der "nationalen Koordinatoren" sei am 9. Februar geplant. Federführend in Deutschland ist dem Bericht zufolge Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP).

Gemeinsames Netz soll Wetterschwankungen ausgleichen

Bislang sei die Unbeständigkeit der Ressourcen das größte Problem für den Ausbau erneuerbarer Energiegewinnung, schreibt die Zeitung. Ein gemeinsames Netz könnte Wetterschwankungen der verschiedenen Energieträger und Regionen ausgleichen und eine verlässliche Versorgung weiter Teile Europas sicherstellen. So könnten Wasserkraftwerke in Norwegen erstmals im großen Stil als Speicher des vor allem in Großbritannien und bald auch in Deutschland produzierten Windstroms dienen. Nur so ließe sich der Anteil der erneuerbaren Energien an Europas Energieversorgung rasch ausbauen.

Vor Europas Küsten setzen Konzerne dem Bericht zufolge derzeit Windräder mit einer Gesamtkapazität von hundert Gigawatt auf riesigen Stahlfüßen ins Meer. Das entspricht zehn Prozent des gesamten europäischen Energiebedarfs und der Leistung von hundert großen Kohlekraftwerken.

Der Experte für erneuerbare Energien der Umweltschutzorganisation Greenpeace, Sven Teske, sagte der Zeitung: "Das bestehende Stromnetz kann gar nicht mehr aufnehmen, was die neuen Windparks einspeisen." Ein Ausbau des bestehenden Netzes sei dringend nötig.

ffr/AFP/ddp/dpa/Reuters
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