Milliardenschwerer Übernahmeplan Börse straft SAP ab

Was die Firmenchefs wollen, finden Anleger noch lange nicht gut: Heute strafte die Börse das Walldorfer Softwareunternehmen SAP ab, weil das für 4,8 Milliarden Euro eine französische Firma kaufen will. Experten sehen darin ein Signal, dass SAP nicht mehr aus eigener Kraft wachsen kann.


Walldorf - SAP steht vor seiner bisher größten Übernahme: Für 4,8 Milliarden Euro will der Weltmarktführer für Unternehmenssoftware Business Objects kaufen. Den Anlegern gefallen die Pläne von Vorstandschef Henning Kagermann allerdings nicht - die Aktie gab deutlich nach und war heute größter Verlierer im Dax Chart zeigen: Die SAP-Aktie Chart zeigen verbilligte sich um 4,0 Prozent auf 39,95 Euro.

SAP-Zentrale in Walldorf: Interesse an Spezialisten für Analysesoftware
DDP

SAP-Zentrale in Walldorf: Interesse an Spezialisten für Analysesoftware

Auslöser war eine Umsatz- und Gewinnwarnung des französischen Spezialisten für Analysesoftware kurz nach der Übernahmeankündigung. Auch der Kurswechsel von SAP zu einer milliardenschweren Übernahme nach Jahren des Wachstums aus eigener Kraft wurde als Zeichen von Schwäche interpretiert. Außerdem sagte Kagermann heute Nachmittag, dass der Kauf Auswirkungen auf das Aktienrückkaufprogramm für die kommenden zwei Jahre haben werde. Details will er jedoch erst zu den Drittquartalszahlen am 18. Oktober bekannt geben.

SAP bietet den Aktionären von Business Objects 42,00 Euro je Aktie. Die Führungsspitze des Unternehmens befürworte den Verkauf, sagte Vorstandschef John Schwarz, der nach Abschluss der Transaktion in das Führungsgremium von SAP rücken soll. Der französische Konzern habe sich aber nicht nach einem neuen Inhaber umgeschaut. SAP sei auf das Softwarehaus zugekommen. Im ersten Quartal 2008 soll die Übernahme abgeschlossen sein. Mit positiven Auswirkungen auf die Geschäftszahlen werde im folgenden Jahr gerechnet, sagte SAP- Finanzchef Werner Brandt.

"Keine Reaktion auf Übernahmen des Erzrivalen Oracle"

Die Business Objects S.A. hatte am Vorabend mitgeteilt, dass im dritten Quartal wegen eines enttäuschenden Lizenzumsatzes nur noch mit Erlösen von bis zu 370 Millionen Dollar statt der bisher geplanten bis zu 387 Millionen gerechnet werde. Auch der Gewinn soll hinter den Erwartungen zurückbleiben. Die Aktie des französischen Unternehmens, die am Freitag bei 35 Euro geschlossen hatte, schoss am Montag um mehr als 17 Prozent auf gut 41 Euro hoch. Noch im März war die Aktie für 26 Euro zu haben gewesen.

Ein Händler sagte zum heutigen Kursrückgang der SAP-Aktie, der Zukauf sei ein Signal dafür, dass SAP nun offenbar nicht mehr ausreichend organisch zulege. Kagermann hatte bislang stets betont, SAP werde sein Wachstum im Gegensatz zum amerikanischen Konkurrenten Oracle Chart zeigen aus eigener Kraft und nicht durch Akquisitionen erzielen. Um den Position als Weltmarktführer für Unternehmenssoftware zu verteidigen, hatte der US-Konzern in den vergangenen drei Jahren mehr als 20 Milliarden Dollar für zwei Dutzend Firmen ausgegeben.

Die Akquisition sei keine Reaktion auf die milliardenschweren Übernahmen des Erzrivalen Oracle, betonte Kagermann. Business Objects sei Marktführer bei der Herstellung von sogenannter Analysesoftware. Dieser Markt sei der am schnellsten wachsende im Segment der Unternehmenssoftware. Nach Angaben des Managers plant keines der beiden Unternehmen einschneidende Restrukturierungsmaßnahmen durch den Zusammenschluss.

Das französische Unternehmen gilt als Spezialist für die Herstellung von Software, die Firmen Informationen über ihre Geschäftslage aufbereitet, um Entscheidungen schneller treffen zu können. Die Software wird Business Intelligence genannt. Business Objects S.A. wurde 1990 in Paris gegründet, hat rund 6600 Beschäftigte und ist in 30 Ländern tätig. 2006 lag der Umsatz mit 42.000 Kunden bei 1,25 Milliarden US-Dollar.

kaz/dpa-AFX



© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.