Milliardenspritze für ING Diba gibt Entwarnung für deutsche Sparer

Zehn Milliarden Euro bekommt die niederländische Bank ING vom Staat - was bedeutet das für die Kunden der deutschen ING-Tochter Diba? Sind die Einlagen deutscher Sparer in Gefahr, müssen sich Kreditnehmer sorgen? Nein, sagen Experten - und auch die Bank selbst gibt Entwarnung.

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Frankfurt/Hamburg - Zehn Milliarden Euro bekommt die niederländische Bank ING vom Staat. Am Freitag hatte der Konzern für das dritte Quartal 2008 Verluste von etwa 500 Millionen Euro vorausgesagt - der erste Quartalsverlust, den das Bankhaus seit 50 Jahren vermelden muss. Der Aktienkurs brach am Freitag ein, erholte sich aber am Montagmorgen wieder. Der niederländische Finanzminister Wolter Bos sagte am Sonntagabend, die Finanzspritze für das Bankhaus sei wegen der "Markterwartungen" notwendig, wenngleich die Bank eigentlich gesund sei.

ING-Diba-Zentrale in Frankfurt: 1,23 Milliarden Euro Pro Kunde abgesichert
DPA

ING-Diba-Zentrale in Frankfurt: 1,23 Milliarden Euro Pro Kunde abgesichert

Die in Deutschland tätige Online-Bank Diba gehört zur ING - ist Erspartes der Diba-Kunden hierzulande nun in Gefahr? Nein, sagen Experten - und auch das Bankhaus selbst gibt Entwarnung.

Stephanie Pallasch, stellvertretende Abteilungsleiterin Finanzdienstleistungen bei der Stiftung Warentest, sagte SPIEGEL ONLINE: "Das bedeutet für den deutschen Anleger erst mal gar nichts." Die Diba sei eine nach deutschem Recht verfasste Bank und nicht nur zur gesetzlich vorgeschriebenen Einlagensicherung bis 20.000 Euro pro Sparer verpflichtet. Sie sei auch freiwilliges Mitglied im Einlagensicherungsfonds der deutschen Banken - und dadurch seien weitaus höhere Summen abgedeckt, nämlich bis zu 30 Prozent des haftenden Eigenkapitals der Bank pro Kunde.

"Keinerlei Relevanz für deutsche Anleger"

Was das im Falle der Diba konkret bedeutet, erklärt Diba-Sprecher Ulrich Ott auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE so: Pro Anleger sei die astronomische Summe von 1,23 Milliarden Euro abgesichert.

Grundsätzlich gilt allerdings: Sollte ein großes Bankhaus einmal tatsächlich in großem Stil auf den Einlagensicherungsfonds angewiesen sein, müssten die übrigen Mitglieder des Fonds für die Verluste aufkommen. Das wiederum könnte das ganze System ins Wanken bringen, weshalb alle Beteiligten hoffen, dass es dazu niemals kommen wird.

Dennoch besteht ein grundlegender Unterschied zwischen der Diba und etwa der isländischen Bank Kaupthing - denn die hat keine deutsche Tochter und ist auch nicht Mitglied im Einlagensicherungsfonds. Deutsche Kaupthing-Kunden bangen seit der Schließung der deutschen Kaupthing-Niederlassung um ihr Geld, die Bundesregierung bemüht sich Medienberichten zufolge um Hilfe.

Diba-Sprecher Ott betont: "Wir sind eine deutsche Bank", zwar gehöre die Diba "zu 100 Prozent unserer Mutter, der ING in den Niederlanden", aber "wir sind eine Aktiengesellschaft deutschen Rechts". Von der Finanzspritze, die das Mutterhaus in den Niederlanden nun bekomme, "kommt bei uns gar nichts an - Gott sei Dank".

Die staatliche Hilfe für das Mutterhaus habe "keinerlei Relevanz für Sparer oder Kreditnehmer der Diba hierzulande". Die Spritze begrüßt Ott dennoch: "Das stärkt die Kapitalkraft der Mutter", die jedoch davon unabhängig eine "grundsolide, kerngesunde Bank" sei. Die ING habe die staatliche Hilfe nur deshalb in Anspruch genommen, weil andere Bankhäuser in der Schweiz und den USA ebenfalls Geld vom Staat bekämen und dadurch eine Wettbewerbsverzerrung entstanden sei.

Mit Material von AP



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