Milliardenspritze US-Finanzierer CIT bestätigt Rettungskredit

Jetzt ist es offiziell: Der Mittelstandsfinanzierer CIT ist vorläufig gerettet. Das schwer angeschlagene Unternehmen bestätigte einen milliardenschweren Rettungskredit durch wichtige Gläubiger. Ob dieser ein dauerhaftes Überleben sichert, ist Experten zufolge aber unklar.


New York - Der Mittelstandsfinanzierer CIT hat seine drohende Pleite in letzter Minute abwenden können. Das Unternehmen bestätigte am Montagabend in New York, von Gläubigern einen drei Milliarden Dollar schweren Rettungskredit bewilligt bekommen zu haben. Die Verhandlungen mit den Gläubigern waren rund um die Uhr geführt worden - unter ihnen ist auch die Allianz-Tochter Pimco.

CIT-Logo in New York: Rettung in letzter Minute
AFP

CIT-Logo in New York: Rettung in letzter Minute

CIT soll nun ohne Insolvenzverfahren saniert werden. Experten sind allerdings skeptisch, dass die gewährten Gelder zur Rettung des Konzerns ausreichen. CIT hat Milliardenschulden und braucht dringend noch mehr Geld, um seinen Firmenkunden die vereinbarten Kredite gewähren zu können.

Die US-Regierung hatte neue Hilfen verweigert. CIT hatte schon 2,3 Milliarden Dollar aus dem staatlichen Banken-Rettungsprogramm bekommen. Die Krise des Finanzierers ist eine weitere Belastungsprobe für die US-Konjunktur und die Wirtschaftspolitik von Präsident Barack Obama.

CIT hatte sich in der Finanzkrise verspekuliert und zuletzt durch die Kreditklemme nicht mehr ausreichend kurzfristiges Geld bekommen, das es für seine langlaufenden Darlehen an Unternehmen braucht. Den Finanzierer belasten auch die steigenden Zahlungsausfälle und Pleiten von Firmenkunden.

Neben dem Rettungskredit startete CIT auch eine Umschuldung. Anfang August stehen Anleihen des Finanzierers von einer Milliarde Dollar zur Rückzahlung an. Weitere 1,7 Milliarden Dollar sind laut Medien zum Jahresende fällig und 2010 noch einmal acht Milliarden Dollar.

CIT versorgt rund eine Million US-Unternehmen mit Krediten. Ein Zusammenbruch des Konzerns wäre die größte Pleite einer US-Bank seit dem Aus der Investmentbank Lehman Brothers im vergangenen Jahr gewesen. Der Lehman-Absturz riss die Welt damals tiefer in die Wirtschaftskrise.

Die CIT-Aktie war am Montag nach Medienberichten über die Rettung um fast 80 Prozent auf 1,25 Dollar nach oben geschossen. Sie hatte jedoch angesichts des Überlebenskampfes einen steilen Absturz hinter sich. Zu Jahresbeginn war das Papier noch rund fünf Dollar wert.

In den vergangenen acht Quartalen fuhr CIT Verluste von insgesamt rund drei Milliarden Dollar ein. Der Finanzierer hatte zuletzt eine Bilanzsumme von etwas mehr als 75 Milliarden Dollar.

ssu/dpa/Reuters



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Seite 1
jinky, 08.07.2009
1.
Zitat von sysopWeltweit kehren die Banken zum gewohnten Geschäft zurück - als hätte es die Finanzkrise nie gegeben. Müssen Wall Street und Londoner City umsteuern oder ist ist die Chance der Branche vertan, der Gier Grenzen zu setzen?
Sie hätten umsteuern müssen bzw. man hätte sie zu einem Umsteuern zwingen müssen.
Pinarello, 08.07.2009
2.
Zitat von sysopWeltweit kehren die Banken zum gewohnten Geschäft zurück - als hätte es die Finanzkrise nie gegeben. Müssen Wall Street und Londoner City umsteuern oder ist ist die Chance der Branche vertan, der Gier Grenzen zu setzen?
Warum sollten diese Gangster umsteuern? Jetzt gibt es doch unbegrenzten Kredit vom Staat der auch noch gleich die Verluste übernimmt! Also dann, warten halt bis zur nächsten Krise, die natürlich weit weit schlimmer werden wird, aber warum sollten denn die Politiker ausgerechnet gegen die Leute was unternehmen, von denen sie bezahlt werden und von denen sie ihre Befehle empfangen, hat doch dieses Mal ausgezeichent geklappt, die Folgen dieses Finanzverbrechens dem arbeitenden Bürger und Steuerzahler in die Schuhe zuschieben, genau so stellt sich die Finanzelite doch die Weltherrschaft vor.
schensu 08.07.2009
3.
Zitat von sysopWeltweit kehren die Banken zum gewohnten Geschäft zurück - als hätte es die Finanzkrise nie gegeben. Müssen Wall Street und Londoner City umsteuern oder ist ist die Chance der Branche vertan, der Gier Grenzen zu setzen?
Pah, als ob da unsere Meinung zählte! Das Ganze ist ein Selbstläufer, abgehoben von bekannten Realitäten zum Nutzen Weniger und ggf. Schaden Vieler. Ich brauch die jedenfalls mal gar nich.
Schelm-77 08.07.2009
4. Die Banken kehren zum gewohnten Geschäft zurück...
Am effektivsten läßt sich die Geldgier der Banker stoppen indem man sie einfach weitermachen läßt. Der nächste Crash wird einen frischen Wind durch die meist hohlen Köpfe der Finanzgenies pusten. Einen neuen weltweiten Rettungsfonds wird es dann mit Sicherheit auch nicht mehr geben. Der normalen Anleger sollte sein Geld allerdings vorher in Sicherheit bringen und in Edelmetalle, Edelsteine oder Immonbilien investieren. Im Zweifelsfalls tut es übergangsweise auch der bewährte Sparstrumpf. Den Banken geht es in erster Linie um ihr eigenes Wohl, dementsprechend sollte auch jeder Bürger erst einmal an sich selbst denken und ein erhöhtes Mißtrauen in Sachen Finanzwirtschaft aufbauen.
THM, 08.07.2009
5.
Zitat von sysopWeltweit kehren die Banken zum gewohnten Geschäft zurück - als hätte es die Finanzkrise nie gegeben. Müssen Wall Street und Londoner City umsteuern oder ist ist die Chance der Branche vertan, der Gier Grenzen zu setzen?
Noch erstaunlicher als die Unfähigkeit dieser Branche ist deren dreiste Gier.
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